Chaos hat Turin fest im Griff: Von Verkehrs- chaos über Bauschutt bis Zuschauer-Mangel

Kampf gegen Schmutz & Schlamm: "Überall Gatsch"

Verkehrschaos in den Bergen, Bauschutt, Transportprobleme, zu wenige Zuschauer: Nach dem ersten Olympia-Wochenende in Turin beklagen Sportler, Betreuer und Funktionäre Organisationsmängel. Mangelnde Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft kann man den hunderten Helfern von "Torino 2006" jedoch nicht vorwerfen. "Überall Gatsch", brachte etwa Abfahrts-Silber-Gewinner Michael Walchhofer die alles andere als einladende Atmosphäre rund um das Olympische Athletendorf auf den Punkt.

Am Sonntag ist es dann erstmals zu den befürchteten Verkehrsproblemen auf den schmalen Straßen in der Bergregion gekommen. Nach der Abfahrt der Herren stauten sich zwischen Sestriere Borgata und Sestriere Colle die Autos. Das Rennen hatten mehr als 8.000 Zuschauer besucht. Gleichzeitig machten sich zahlreiche Besucher über die Bergstraße in Gegenrichtung auf den Weg nach Pragelato, wo am Abend das Skispringen auf der Normalschanze auf dem Programm stand.

Einen Kampf gegen Schmutz und Schlamm führen die Athleten an der Bob-, Rodel- und Skeletonbahn in Cesana. Erst nach heftigen Protesten der Jury des Weltverbandes für Bob und Skeleton (FIBT) - "Bob können wir hier nicht fahren" - wurde die Bahn gereinigt. Viele Gebäude am Rande der über 65 Millionen Euro teuren Bahn sind nicht fertig geworden und stehen als Bauruinen an der Bahn.

Der Bauschutt trübt oft den Gesamteindruck, da der wenige Schnee fast nichts zudeckt. Der deutsche Alpinchef Walter Vogel trägt's mit Humor: "Das hier ist eine gute Lebensschule für unsere Athleten. Da wissen sie, wie es aussieht, wenn sie später mal ein Haus bauen." Die Kombinierer klagten beim Springen und beim Langlauf über das höchstens zur Hälfte gefüllte Stadion.

In Cesana irrten zahlreiche Biathlon-Fans herum, weil sie nicht wussten, ob es mit den - völlig überfüllten - Bussen oder mit der Bahn nach San Sicario weitergeht. Die Anreise ist zudem mit einem langen Fußweg verbunden, da die neue Kabinenbahn dort nicht Station macht. Bei den Rodelwettbewerben in Cesana war die 7.130 Zuschauer fassende Tribüne nur zu zehn Prozent ausgelastet. Die Besucher klagten darüber, dass sie ihre Eintrittskarten erst kurzfristig zugeschickt bekommen haben oder erst unmittelbar vor den Wettkämpfen an Schaltern abholen konnten.

Viel Geduld wurde an den ersten beiden Wettkampftagen auch von den Medienvertretern und Zuschauern verlangt, die sich an manchen Sicherheitskontrollen in lange Schlangen einreihen und bis zu einer Stunde warten mussten. Im Skigebiet rund um Sestriere halfen Skilehrer, die als Streckenposten arbeiten, und Techniker über den noch stockenden Shuttle-Service hinweg: Sie nahmen Wartende per Anhalter mit. (apa)