München ist im Champions-League-Rausch. Wenige Tage vor dem großen Finale des FC Bayern München gegen Chelsea London laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der Andrang auf Public-Viewing-Tickets, Kneipen und Hotels ist enorm. Das gab es in München in diesem Ausmaß zuletzt bei der WM 2006 in Deutschland.
Vor knapp einem Monat hatte UEFA-Präsident Michel Platini die Trophäe für den Champions-League-Sieger bereits an Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) überreicht. Am Mittwoch startet im Münchner Olympiapark nun das mehrtägige Champions Festival 2012 mit einem bunten Unterhaltungsprogramm rund um den Ball. "Alle sind elektrisiert", sagte Pressesprecher Tobias Kohler. "Wenn die Bayern nicht ins Finale gekommen wären, wäre der Hype natürlich ganz anders gewesen."
Tickets für das Endspiel zu erhalten, ist fast unmöglich - oder sehr teuer. 62.500 Menschen passen beim "Finale dahoam" in die längst ausverkaufte Allianz Arena, die für die UEFA sogar ihren Namen ablegen musste. Im offiziellen Verkauf kosteten die Tickets bis zu 370 Euro, im Internet muss man teilweise mehr als 1.000 Euro für eine personalisierte Karte bezahlen. Das Risiko, bei zufälligen Kontrollen erwischt zu werden und nicht reinzukommen, trägt der Käufer.
Sogar das Public Viewing ist ausverkauft
Selbst beim Public Viewing mussten die Münchner Fußballfans zuletzt schnell sein: Die größte Veranstaltung im Olympiastadion, wo 65.000 Menschen vor der Leinwand mitfiebern werden, war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Auch die ersten Tickets für den zweiten Schauplatz, Theresienwiese, waren bald vergriffen. Kurzerhand erweiterten die Veranstalter das Angebot um weitere 5.000 Karten - wenige Stunden später waren auch diese weg.
Viele Wirtshäuser und Sportkneipen, in denen das Spiel gezeigt wird, sind seit Wochen ausgebucht. Zahlreiche Fans reservierten ihren Tisch noch am selben Abend, als der FC Bayern sich im Halbfinale gegen Real Madrid durchsetzte. Ähnlich geht es den Hotels in München und Umgebung. "Ich glaube, dass noch einzelne Betten frei sind", sagte der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands München, Conrad Mayer. "Im Umland findet man aber sicherlich noch was."
Wie beim Oktoberfest
Nach Angaben des Verbands gibt es in München etwa 58.000 Hotelbetten. Am kommenden Wochenende müssen sich die Gäste jedoch auf höhere Preise einrichten. "Wenn die Nachfrage steigt, steigt automatisch auch der Preis", erklärte Mayer. "Das ist vergleichbar mit einem Wiesn-Wochenende." Insgesamt rechnet der Hotelier mit rund 60.000 Besuchern in München, die meisten aus Deutschland, England und Spanien.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) warnte angesichts des Ansturms auf die bayerische Landeshauptstadt bereits vor Engpässen und überfüllten U-Bahnen. 20 Extra-Züge und 160 zusätzliche Mitarbeiter seien im Einsatz, teilte die MVG mit. "Wir geben alles, was wir haben und können, aber irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte MVG-Chef Herbert König. Am Abend des großen Endspiels rät sein Unternehmen deshalb zum Umsteigen - aufs Fahrrad.
