Cannes 2012 von

Austria erobert Cannes

Ulrich Seidl macht den Auftakt mit "Paradies: Liebe" - am Sonntag folgt Hanekes "Amour"

Cannes 2012 - Austria erobert Cannes © Bild: APA/Stadtkino

Es ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, dass zwei österreichische Beiträge in diesem Jahr im Wettbewerb der "Paradies: Liebe" (siehe Bild) von Ulrich Seidl und "Amour" von Haneke zählt das Filmland heuer die Produktionen neun und zehn, die um die Goldene Palme und damit die bedeutendste Auszeichnung der Filmkunst konkurrieren.

Mit den Premieren heute und am Sonntag steht somit das erste Wochenende des Jubiläums ganz im Zeichen des neuen österreichischen Films. Und Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" hat die Erwartungen bei der Pressevorstellung gestern nicht enttäuscht. Nüchternen Blicks folgt er einer österreichischen Sextouristin in Kenia, die aus Sehnsucht nach echten Gefühlen das sexuelle Geschäft mit Liebe verwechselt und nach und nach desillusioniert wird. Den Ausbeutungskreislauf zeigt Seidl, ohne dabei zu werten oder zu urteilen, ebenso den Berg an Vorurteilen, der die weit verbreitete, europäische Haltung gegenüber Afrika verdeutlicht. Bei der Pressevorführung gab es kurzen, intensiven Applaus.

Haneke prägte Ära
Haneke hat diese Ära des neuen österreichischen Films mit "Funny Games" nicht nur eingeläutet, sondern auch wesentlich geprägt. Im Jahr 2000 lief "Code inconnu" im Wettbewerb, ein Jahr später gab es für "Die Klavierspielerin" den Großen Preis der Jury, vier Jahre später für "Cache" die Auszeichnung für die beste Regie und schließlich 2009 die Goldene Palme für "Das weiße Band". Dazwischen liefen 2004 "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner und 2007 "Import Export" von Seidl im Wettbewerb, 2003 war zudem Virgil Widrich mit "Fast Film" in die Kurzfilmkonkurrenz eingeladen. Ebenfalls Cannes-Geschichte schrieb Christoph Waltz, der 2009 für seine Rolle in "Inglourious Basterds" den Darstellerpreis erhielt.

Politik zurückhaltend
Trotz der bisher einmaligen Situation, mit zwei Filmen im Wettbewerb vertreten zu sein, hält sich die österreichische Präsenz vor Ort jedoch vergleichsweise in Grenzen: Die Austrian Film Commission ist wie immer am Filmmarkt präsent, die österreichischen Film Commissions werben mit einem Pavillon für internationale Dreharbeiten in Österreich. Doch die Politik gibt sich ungewohnt zurückhaltend: Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny werden aller Voraussicht nach nicht vor Ort sein. Und auch weder Botschafter noch Delegierte werden in Cannes vertreten sein. Möglicherweise hat man sich in den vergangenen Jahren doch schon ein bisschen an die Erfolgsmeldungen gewöhnt.

Die österreichischen Wettbewerbsteilnahmen und Auszeichnungen in Cannes im Überblick:

1997 - "Funny Games" (R: Michael Haneke)

2000 - "Code inconnu" (R: Michael Haneke)

2001 - "Die Klavierspielerin" (R: Michael Haneke):
Großer Preis der Jury, Darstellerpreise an Isabelle Huppert
und Benoit Magimel

2003 - "Fast Film" (R: Virgil Widrich), Kurzfilm-Wettbewerb

2004 - "Die fetten Jahre sind vorbei" (R: Hans Weingartner)

2005 - "Cache" (R: Michael Haneke): Beste Regie

2007 - "Import Export" (R: Ulrich Seidl)

2009 - "Das weiße Band" (R: Michael Haneke): Goldene Palme
- Darsteller-Preis an Christoph Waltz für seine Rolle in
"Inglourious Basterds" (R: Quentin Tarantino)

2012 - "Paradies: Liebe" (R: Ulrich Seidl) und "Amour" (R: Michael
Haneke)

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Weitere österreichischen Wettbewerbsteilnahmen in Cannes: 2011 - "Michael" (R: Markus Schleinzer)

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