Bundespräsidentenwahl von

Was die Wahl entscheidet

Am 4. Dezember ist die Bundespräsidentschaftswahl, doch entschieden ist noch nichts

Bundespräsidentenwahl - Was die Wahl entscheidet © Bild: Alex Halada / picturedesk.com

Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer liefern sich seit 11 Monaten einen Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft. Fast alle Argumente wurden schon geäußert, trotzdem steht das Ergebnis noch nicht fest.

Wie läuft die Wahl ab?

Am Sonntag, den 4. Dezember werden die Ergebnisse der Wahl diesmal erst um 17:00 Uhr veröffentlicht. Die bisherige Praxis die Ergebnisse an Medien bereits vorab weiter zu geben, ist nicht mehr zulässig. Gegen 17:15 Uhr wird es eine erste Hochrechnung geben. Briefwahlstimmen sind zu diesem Zeitpunkt noch keine ausgezählt. Christoph Hofinger vom Meinungsforschungsinstitut Sora, das für den ORF die Hochrechnung erstellt sagt: „Wir werden von der ersten Hochrechnung an auch eine Briefwahlprognose erstellen“. Sora erstellte bei der Bundespräsidentschaftswahl, am 22. Mai, die korrekte Prognose, dass Alexander Van der Bellen dank der Briefwahlstimmen letztlich knapp vor Norbert Hofer landen würde.

Gegen 19:30 Uhr wird es ein vorläufiges Endergebnis geben. Zu diesem Zeitpunkt sind immer noch keine Briefwahlstimmen dabei, ihre Auszählung beginnt erst am Montag, um 9:00 Uhr. Allerdings wird es eine Schätzung des Ergebnisses geben. „Wir rechnen mit einer Schwankungsbreite von 0,4 Prozent“, sagt Christoph Hofinger. Sollte einer der beiden Kandidaten also inklusive Briefwahlprognose mit zumindest 50,5 Prozent führen, dann kann man schon mit hoher Sicherheit sagen, wer gewinnen wird. Die aufgehobene Wahl am 22. Mai wurde allerdings nur mit einem Vorsprung von 0,35 Prozent entschieden.

Am Montag, den 5. Dezember, werden dann ab 9:00 Uhr die Briefwahlstimmen ausgezählt. Bis zu ihrer vollständigen Auszählung werden aus dem Innenministerium keine Detailergebnisse aus dem Innenministerium veröffentlicht. Erst wenn vollständig ausgezählt ist, wird der Innenminister das Endergebnis verkünden. Wann es soweit ist, ist unklar. In Tirol kündigte der zuständige Landesamtsdirektor bereits an, dass es womöglich länger dauert, falls wieder so viele Briefwahlstimmen wie beim letzten Mal auszuzählen sind. So könnte das Ergebnis auch erst am Dienstag oder schlimmstenfalls am Mittwoch feststehen. Gerüchte, dass Innenminister Wolfgang Sobotka bei seinem letzten Tirolbesuch Mitarbeiter der zuständigen Behörde verärgert hätte und diese es nun besonders genau mit einer Zählung nach Vorschrift nehmen würden, kann man in der Pressestelle des Landes Tirol nicht nachvollziehen. „Ins Reich der Märchen“ gehöre das, laut einem Sprecher. Der Grund sei vielmehr, dass es mit Innsbruck Land und Stadt besonders große Sprengel gäbe und wohl auch andere Bundesländer Probleme hätten, eine Garantie zu erteilen, dass die Auszählung über den Montag hinaus dauern könnte.

Entscheiden die Briefwähler die Wahl?

Generell wählen Briefwähler anders als Urnenwähler, da besonders viele gut gebildete und städtische Personen diese Wahlform in Anspruch nehmen. Dementsprechend konnte Alexander Van der Bellen, der bei Akademikern und in den großen Städten laut Nachwahlbefragungen gut abschnitt, auch bei den Briefwählern ein gutes Ergebnis erzielen. 2,2 Prozent konnte er so auf Norbert Hofer aufholen und ihn letztlich auch knapp überholen. Gibt es wieder ähnlich viele Briefwählerstimmen, dann ist das erneut denkbar. Allerdings ist die Wandersaison vorbei und damit gibt es womöglich weniger Briefwähler als bisher. „Wir wissen nicht, wie sich die Diskussion rund um die Briefwahl auf diese Wahlform auswirkt“, sagt Hofinger. Denkbar sei auch, dass beispielsweise Hoferwähler, die bisher die Briefwahl nutzten, nun noch seltener als bisher zu dieser Wahlform greifen, weil die Briefwahl von der FPÖ besonders vehement bekämpft wurde.

Wird es wieder einen Einspruch geben?

Wahlbeobachter der OSZE — Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa — sind im Einsatz, die Wahlbehörden stehen unter strenger Beobachtung und sind ausführlich geschult worden. Eigentlich sollte diesmal nichts schief gehen. Hundertprozentig sicher kann man auch diesmal nichts ausschließen, aber FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat bereits angekündigt, nicht nochmals Einspruch einlegen zu wollen.

Was wird die Wahl entscheiden?

Der Wahlkampf geht seit elf Monaten, die meisten Argumente sind bereits ausgetauscht. Dass es gelingt nun noch einen Van–der-Bellen-Wähler zum Hofer-Wähler oder umgekehrt zu motivieren, das dürfte sehr schwer werden. Christoph Hofinger schätzt dass sich vielleicht 20. bis 25.000 Wähler zu einem Wechsel überreden lassen. Aufgrund des knappen Ergebnisses der letzten Wahl können aber auch schon kleine Wählerbewegungen viel bewirken. Entscheidender ist aber die Gruppe derjenigen Nichtwähler, die zu einem der beiden Kandidaten tendiert. Hofinger schätzt, dass je drei Prozent der Bevölkerung zu Van der Bellen oder Hofer tendieren, aber tendenziell nicht vorhaben, auch zur Wahl zu gehen. Entscheidend wird auch sein, wer seine Wähler wieder zur Wahl bringt. Politikberater Thomas Hofer sagt: „Viele haben den Wahlkampf bereits satt und wollen nichts mehr davon wissen, andererseits ist die Emotionalisierung hoch“. Hinweise darauf, dass die Wahlbeteiligung einbrechen könnte, sieht er nicht. Ob die Wahlbeteiligung aber etwas niedriger ausfällt, oder tendenziell sogar leicht steigt, hält er nicht für prognostizierbar. Auch Christoph Hofinger rechnet mit einer etwa gleich hohen Wahlbeteiligung. Gewinnen wird also, wer möglichst viele seiner Wähler zur Wahl bringen kann.

© Video: News.at

Was sagen die Umfragen?

Nur wenige Umfragen wurden zur Bundespräsidentenwahl durchgeführt. Die einen sehen Norbert Hofer knapp voran, die anderen Alexander Van der Bellen. Alle sind innerhalb der Schwankungsbreite. Wer vorne liegt, ist völlig unklar.

Wer wird die Wahl entscheiden?

Sowohl Norbert Hofer als auch Alexander Van der Bellen versuchten mit ihren Wahlkampagnen Wähler anzusprechen, die sie bisher nur schwer erreichen konnten. Hofer trat im Ton sanfter auf und wollte damit wohl besonders Frauen ansprechen. Alexander Van der Bellen setzte auf eine Tour durchs Land von Kirtag zu Feuerwehrfest, da er am Land im ersten Wahlgang auf viel Ablehnung stieß. Thomas Hofer vermutet, dass Griss- und Khol-Wähler, die beim letzten Mal daheim bleiben, besonders umworben werden. hier hätten beide Kampagnen noch die Möglichkeit zusätzliche Wähler zu mobilisieren. „Hofer wollte hier sicher mit seinen Auslandsreisen punkten und zeigen, dass es mit seiner Wahl zu keiner internationalen Isolierung Österreichs kommt“, sagt Hofer.

Was spricht für Alexander Van der Bellen?

Die Anzahl der angeforderten Briefwahlkarten wird erst am Freitag bekannt gegeben. Bereits jetzt weiß man aber, dass Auslandsösterreicher um ein Drittel mehr Wahlkarten ausgestellt haben als bisher. 56.500 statt bisher 42.800 Auslandsösterreicher haben sich zur Wahl registriert. Das sind zwar weniger als 14.000 zusätzliche Wähler aber der Vorsprung Van der Bellens bei der Bundespräsidentenwahl im Mai betrug nur 30.863 Stimmen. Da können schon wenige stimmen einen Unterschied machen. Bei Auslandsösterreichern wird davon ausgegangen, dass diese eher zu Van der Bellen tendieren. Helfen könnte ihm auch, dass es nun eine andere Wählerpopulation gibt. Etwa 45.000 Wähler sind seit der letzten Wahl verstorben. Dafür sind viele tausend inzwischen 16-jährig gewordene Wähler und einige wenige tausend eingebürgerte Wähler dazugekommen. Insgesamt ist die Wählerpopulation um 17.065 Stimmen gestiegen. Bei den Jugendlichen wird damit gerechnet, dass Van der Bellen etwas besser abschneidet als Norbert Hofer.

Was spricht für Norbert Hofer?

Auf ein bis drei Prozent schätzt Christoph Hofinger den Effekt, den Christian Kerns Ernennung zum Bundeskanzler auf den Wahlausgang im Mai gehabt haben könnte. Kern war damals neu und ein Teil des Ärgers auf die Bundesregierung dürfte sich dadurch abgeschwächt haben. Das könnte Norbert Hofer helfen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Streit in der SPÖ Wien. Dort gelang es Norbert Hofer nicht alle Wähler, die bei der Gemeinderatswahl die FPÖ wählten, auch zu den Urnen zu bringen. Der Streit in der SPÖ könnte sich negativ auf die Mobilisierung für Van der Bellen und positiv auf die Mobilisierung Norbert Hofers auswirken. Thomas Hofer hält es zudem für denkbar, dass die jüngste Annäherung der SPÖ an die FPÖ zu Bewegung in der Wählerschaft der SPÖ führt. All diese Auswirkungen sind gering, aber wenige tausend Stimmen genügen womöglich, um die Wahl zu entscheiden.

Wie wird es ausgehen?

Das kann niemand sagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis wieder sehr knapp ausfallen wird, ist aber hoch.

Kommentare

Rene Wien melden

http://www.heute.at/redcarpet/leute/Klaus-Eberhartinger-WaehltZs-den-Sascha;art23692,1374835
so knapp?

Rene Wien melden

wo steht hier die Anzahl der Votings?. Der "Schwankungsbreite" wegen ;)

Rene Wien melden

Ausserdem find ich's lustig daß eure "Umfrage" aus einem "JA" / "NEIN" TED gemacht wurde :) :)
Ist dass nicht klar beeinflussend da hinter "JA" (in blau gehalten) der Herr Hofer angeführt wird?.. ;)

Es gibt Bürger in Deutschland, die möchten in die DDR zurück, die Ueberwachung durch die NSA und die staatlichen und privaten Propaganda-Medien fallen nicht überall auf fruchtbaren Boden.
Willkommen in Kitas und der totalen Staatsüberwachung. Wer von den beiden Kanditaten setzt sich für den Bürger ein?

Sie Sind doch sicher auch für Kontrolle, weil Sie NICHTS zu verbergen haben, ODER??

Hans Telmo melden

Ich hoffe, die Bescheisser in der Bananenrepublik ÖSTERREICH haben sich gut vorbereitet, damit diesmal alles rund läuft und dieser scheintote Linksextremistische komunistische JPopulist und Europaturbo erfolgreich gewählt werden kann.
Es wäre ja jammerschade, die Gerichte müssten nochmals Verfahren aufnehmen und gegen 100 Wahlhelfer wegen wiederholtem Betrug resp. Urkundenfälschung anklagen.

higgs70
higgs70 melden

Na na, wenn schon dann gehns gleich den ganzen Weg und nennens ihn einfach den Wurmfortsatz der rot-grünen-marxstisch-leninistisch-stalinistisch-trotzkistisch-maoistisch-anarchistisch-libertären Politik, der 2 Weltkriege ausgelöst hat und an den Löchern in Ihren Socken auch schuld ist. Denn inhaltlich ists Ihnen eh wurst, Hauptsache es klingt bedrohlich.


Hans Telmo melden

Keine Sorge, Europa ist ein Friedensprojekt, kein Land zahlt an die Schulden eines anderen Landes, "mit mir gibt es keine Maut" und eine Verschuldung eines EU-Mitgliedstaates ist ausgeschlossen: http://www.pi-news.net/2012/11/was-kostet-uns-der-euro .Der Euro ist so hart wie die ital. Lire, Krankenkasse sinkt, Rente ist unsicher. Nur weiter so, es kommt alles GUTER (merkelistisch ausgedrückt).

higgs70
higgs70 melden

Die EU können Sie sich einrexen, ich wollte nie rein,im Gegensatz zur FPÖ die Jahrzehnte für den Beitritt getrommelt hatte, aber nur ein Idiot springt, weil er im falschen Zug sitzt bei voller Fahrt raus. Das strukturelle Problem dieser EU ist mMn. schlicht, dass zentral geregelt wird was dann lokal nicht klappen kann, vor ALLEM aber, dass es ein Europa der Konzerne ist. Und die, die politisch mit der Industriellenvereienigung marschieren, sind die, die sich als sogenannte Partei des kleinen Mannes verkaufen, also auch die FPÖ. Und nur weil die opportunistisch von rein, raus, Schilling, Euro, Öxit, Doch-nicht-Öxit alles durchdeklinieren, änderts nichts am Grundbefund.
Also was hats mit VdB zu tun, der ist halt überzeugt von der EU und steht dann auch dazu und betreibt nicht permanent Etikettenschwindel wie der andere.

parteilos melden

Man sieht in Wien eine richtige Hetzkampagne gegen Hofer.
F*ck Hofer sehe ich schon als strafrechtliche Hetze und auch als Beleidigung und Mobbing, wenn diese linkslinke Idioten durch die Stadt marschieren. Und wenn ich mir diese Menschen dann anschaue, dann weiß ich, hier sind keine Steuerzahler dabei und mehr als die Hälfte kann kein Wort Deutsch. Das diese Aktion, allein schon für die

parteilos melden

angesiedelten Geschäfte ein Horror ist mag dem Bürgermeister egal sein, er bekommt seinen Lohn ja eh fix, egal ob die Geschäfte Umsatz machen. Dieses Minus sollte den Verantwortlichen abgezogen werden. Diese Aktionen werden immer mehr und kosten dem Steuerzahler Geld und Nerven. Anscheinend stehen diese Unruhestifter unter Naturschutz!

Testor melden

Ja , da bin ich auch dafür. den zuständigen Freiheitlichen als Hauptveranwortliche dafür, dass sie Kärnten mit der Hypo finanziell ruiniert und den Steuerzahler hohe Lasten aufgebürdet haben, nur noch die Mindestsicherung auszahlen und deren Vermögen einziehen!!

parteilos melden

Sind sie wirklich so naiv? Anscheinend, denn nur jemand der keine Ahnung von Bankenwesen, Bund und Landespolitik würde solche Antwort geben.
Nach ihrer Antwort würde nach Abzug von Kärnten vom bundesschuldenstand die SPÖ verantwortlich sein?

Testor melden

Die Hypokatastrophe kann man eindeutig einem Hauptverantwortlichen zuordnen, nämlich Haider und seiner FPÖ. Für die kriminellen Machenschaften gibt es schon rechtskräftige Urteile, einige Leute sind in Haft. Weitere werden noch folgen.

Henry Knuddi

und was ist bei stimmengleichheit - noch eine wahl?

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