Bundeskanzler Schüssel glaubt an die Post-Aktie: "Kann und wird sehr populär werden!"

Wifo-Experte: "Kann durchaus zur Volksaktie werden"<br>Post-Chef Wais rechnet nicht mit Belegschafts-Streik <b>UMFRAGE:</b> Halten Sie den Börsegang für richtig?<br>PLUS: Europäische Postaktien bisher enttäuschend

Der Börsegang der österreichischen Post ist fix! Der Ministerrat erteilte der ÖIAG den Auftrag, bis zu 49 Prozent der Post-Anteile über die Börse zu verkaufen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ist vom Erfolg des bevorstehenden Börsegangs überzeugt: "Ich glaube, dass die Aktie sehr populär sein kann und wird".

Auf Fragen nach Risiken ging er nicht direkt ein. Der Bundeskanzler wies darauf hin, dass dieser Schritt bereits während der Großen Koalition politisch akkordiert worden sei. Bei den Debatten um einen Börsegang in den 90er Jahren habe die sozialdemoraktische Gewerkschaft keine Probleme gesehen, so der Kanzler.

Auch die Börsegänge anderer großer einst staatlicher Unternehmen seien ein Erfolg gewesen. Schüssel zählte auf: "Aus 1.000. Euro beim Börsegang sind bis heute bei der OMV 16.400 Euro geworden, bei der voestalpine fast 5.000 Euro, bei der Telekom Austria 3.700 Euro. Daran zeige sich, dass das eine absolut sinnvolle Investition und strategische Weichenstellung ist." Die österreichische Post sei sehr gut aufgestellt, der Börsegang sei gut für das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Kunden und auch den Standort Österreich.

Wifo-Experte: "Kann durchaus zur Volksaktie werden"
Die Post sei börsereif. Das bescheinigt auch der WIFO-Experte Hannes Leo. Er erwartet von der Postaktie keine Kurssprünge, wie er im ORF-Mittagjournal erklärte, sondern eine eher stabile Entwicklung, gekoppelt mit einer möglicherweise guten Rendite der Aktie. Bedenken gegen den Zeitpunkt des Börsegangs teilt Leo nicht. In den vergangenen Jahren seien viele Reformen durchgeführt worden, das Unternehmen stehe relativ gut da "und ist insofern für den Börsegang reif".

Die Postaktie könne durchaus eine "Volksaktie" werden, sagt Leo in dem Interview. Das hänge jedoch davon ab, wie die Aktie beworben und positioniert werde als auch wie die Ausgabebedingungen und die Fantasien für die Aktien aussehen werden. Interessant sei die Postaktie aus seiner Sicht wegen einer sicheren Ertragssituation und einem Potential bei der Erweiterung auf die Nachbarländer, so Leo. Wobei die Bedingungen am österreichischen Markt härter würden, Marktanteile seien in den umliegenden Ländern zu gewinnen.

Streik? Gewerkschaft entscheidet Montag
In der Post zeichnet sich mit dem Börsegang ein massiver Konflikt ab. Die Gewerkschaft glaubt nach wie vor, dass das Unternehmen noch nicht reif für einen Börsegang ist. Ein zweistündiges Spitzentreffen von Finanzminister, Post-Gewerkschaft und den Vorständen von Post und ÖIAG hat am Dienstagabend keine Einigung gebracht. Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz hat schon davor eine Streikdrohung indirekt bekräftigt: "Wenn die Vernunft nicht siegt, muss man damit rechnen, dass wir auch zu den härtesten Maßnahmen greifen werden." Am Montag will die Gewerkschaft über die weitere Vorgangsweise entscheiden.

Wais rechnet nicht mit Streik der Belegschaft
Post-Generaldirektor Anton Wais hat den von der Regierung beschlossenen Börsegang seines Unternehmens ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig zeigte er sich in der "ZiB2" vor drohenden Kampfmaßnahmen der Gewerkschaft gelassen. Er gehe nicht davon aus, dass die Belegschaft streiken werde. Er habe eher das Gefühl, dass es sich um einen "Funktionärsstreik" handle, daran würden sich vor allem freigestellte Betriebsräte beteiligen, meinte Wais.

Der Börsegang werde der Post einen Zugang zum Kapitalmarkt und "sehr klare Verhältnisse" bringen. Dass der Staat 51 Prozent behalten wolle, "begrüße ich ausdrücklich", sagte Wais. Und dass 49 Prozent an Private gehen werden, sei ebenfalls "sehr gut", weil damit das Image der Post in einer Reihe mit anderen Börse notierten Unternehmen stehen werde.

Eine Beschäftigungsgarantie gab der Generaldirektor nicht. Er betonte, dass auch der Abbau von 8.000 Stellen in den vergangenen Jahren ohne große Begleitmusik sozial verträglich abgelaufen sei. Ein Drittel stehe noch bevor. Das bedeute aber nicht, dass noch weitere 3.000 Posten abgebaut würden, sagte Wais. Postämter werde man bis 2008 in jedem Fall keine weiteren zusperren.

ÖIAG & Grasser starten Inseraten-Kampagne für Post-Börsegang
Die ÖIAG und das Finanzministerium machen Stimmung für einen Post-Börsegang: Mit ganzseitigen Anzeigen in mehreren Tageszeitungen haben die Staatsholding und die Regierung eine Kampagne gestartet. Die Kernfrage darin: "Was bringt der Börsengang der Post für Österreich?" Die ÖIAG beantwortet sie in den Inseraten postwendend selbst: "Mehr Wachstum, mehr Chancen, mehr Jobsicherheit."

Nach einer in der "Kronen Zeitung" veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Fessel-GfK sprechen sich derzeit 55 Prozent der Österreicher für den geplanten Börsegang der Post aus, 39 Prozent sind dagegen.

66 Prozent sollen generell für einen teilweisen Börsegang von Staatsbetriebe sein, allerdings unter der Bedingung, dass der Staat Mehrheitseigentümer bleibt. Wenn der Staat die Mehrheit behält und der Aktienbesitz breit gestreut wird, findet das laut Umfrage sogar bei 68 Prozent der Befragten Zustimmung. Nur 25 Prozent hielten einen starken ausländischen Partner für die bessere Lösung, schreibt die Zeitung. (apa/red)