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BP-Wahl: Politikexperten überrascht von hartem TV-Duell

Bachmayer: "Inflationärer Gebrauch des Wortes Lüge und Unwahrheit"

Politik- und Kommunikationsexperten haben sich am Donnerstag teils überrascht über den unerwartet heftigen Schlagabtausch zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer beim letzten TV-Duell vor der Bundespräsidentenwahl am Sonntag gezeigt. Der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sprach gegenüber der APA von einer "etwas angriffigeren" Debatte.

Aufgefallen sei vor allem der "inflationäre Gebrauch des Wortes Lüge und Unwahrheit". Van der Bellen "hat diesen Kampf mit dem Bild seines toten Vaters eröffnet - danach wurde es emotional", so Bachmayer. Bei den emotionsstarken Themen habe Hofer immer wieder besser und geschickter formuliert, während sich Van der Bellen manchmal im "Professorenhaften" verloren habe, etwa bei der Diskussion über die Aberkennung der Staatsbürgerschaft für IS-Kämpfer.

"Bei einer TV-Debatte geht es aber darum, die Zuschauer im Bauch zu erreichen." Hofers Grundstrategie sei es gewesen, "Van der Bellen als Wendehals zu skizzieren und die Glaubwürdigkeit des Konkurrenten zu beschädigen". Der OGM-Chef erwartet allerdings keine großen Auswirkungen auf das Wahlergebnis am Sonntag.

Der Politologe Peter Filzmaier sprach in der "Zeit im Bild 2" von einem offensiven Gespräch beider Kandidaten, in dem vor allem Hofer nicht mit dem "Florett", sondern "mit der Panzerfaust" beziehungsweise dem "Dreschflegel" agiert habe. Die Rolle des Staatsmännischen wurde laut Filzmaier verlassen, und die beiden Kandidaten hätten gezeigt, dass auch eine Diskussion mit Moderator entgleisen könne. Die Schlüsselfrage sei, ob das bei den Wählern wirke. "Für den eigenen Kandidaten bringt das gar nichts, wenn man den Begriff der Lüge und Unwahrheit so oft verwendet", meinte Filzmaier. Hofer sei es vor allem um die Demobilisierung von möglichen Wählern Van der Bellens gegangen. Eine riskante Vorgangsweise, weil dies auch potenzielle unentschlossene Wähler Hofers abschrecken könne.

Der Kommunikationsexperte Georg Wawschinek zeigte sich vom Strategiewechsel Hofers, der zuletzt meist im Ton zurückhaltend und mit einem Lächeln im Gesicht aufgetreten war, überrascht. Hofer sei im ORF-Duell "angriffig" gewesen und "so richtig auf die Tube gestiegen", was die Härte und den Vorwurf der Lüge betreffe. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kandidaten hätten ihn mitunter an Kindergarten-Streitereien erinnert. Es könnte sein, dass dies manche Wähler "sogar ein wenig abschreckt", meinte Wawschinek in der "ZiB 2".

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