Boris Jelzin wurde 75: Russlands erster Präsident hinterließ ein schwieriges Erbe

Rebell versetzte der Sowjetunion den Todesstoß Galaempfang mit mehr als 200 Gästen in Moskau

Boris Jelzin wurde 75: Russlands erster Präsident hinterließ ein schwieriges Erbe

Der frühere russische Präsident Boris Jelzin hat seinen 75. Geburtstag begangen. Zu einem Galaempfang in Moskau wurden mehr als 200 Ehrengäste erwartet, darunter sollten russischen Medienberichten zufolge auch der frühere US-Präsident Bill Clinton und der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl sein.

Sechs Jahre nachdem er die Macht an seinen bis dahin fast unbekannten Nachfolger Wladimir Putin übergeben hatte, führt Jelzin ein eher ruhiges Pensionärsleben abseits der Öffentlichkeit. Nur selten ist er auf Sportveranstaltungen oder öffentlichen Feiern zu sehen. Viele Russen machen ihn weiter für den wirtschaftlichen Niedergang nach dem Ende der Sowjetunion und den drastisch gesunkenen Lebensstandard verantwortlich.

Jelzins von liberalen Ratgebern befürwortete "Schocktherapie" hatte eine Massenarmut zur Folge. Korruption grassierte, die öffentlichen Dienstleistungen brachen zusammen. Das Gesundheitswesen lag binnen kurzer Zeit völlig darnieder, und die Lebenserwartung von Männern war 1996, im Jahr der Wiederwahl Jelzins, von 62 Jahren in der UdSSR auf 57 Jahre gefallen.

In einem Fernsehinterview räumte er Probleme während seiner Präsidentschaft ein. "Ja, es war eine schwierige Zeit. Aber es war notwendig", sagte Jelzin. "Die Haupterrungenschaft ist, dass der Bolschewismus, der Totalitarismus, das kommunistische System beendet wurden. Ein neuer demokratischer Staat wurde geschaffen, auf bürgerlichen, marktwirtschaftlichen Prinzipien mit der Freiheit der Menschen, der Bürger dieses Staates. Nicht sofort natürlich. Aber die Institutionen wurden gegründet und heute arbeiten sie, und ihre Arbeit wird immer besser."

Als erstem direkt vom Volk gewählten Präsidenten der Russischen Föderation gelang Jelzin, der zuvor vom sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow kalt gestellten worden war, im Juni 1991 zum historisch günstigsten Zeitpunkt ein beispielloses Comeback. Denn am 19. August 1991 putschte das ultrakonservative Partei-Establishment, die Nomenklatura, gegen Gorbatschows Unionsvertrag. Der letzte sowjetische Präsident wurde im Urlaub auf der Krim von dem Staatsstreich überrascht.

In Moskau organisierte Jelzin den Widerstand, aber nicht, um Gorbatschow und die Sowjetunion zu retten. Nach drei Tagen brach der Putsch zusammen, und Jelzin diktierte Gorbatschow die Bedingungen: Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wurde zum Jahresende aufgelöst und er selbst als Präsident des größten Gliedstaates der mächtigste Mann.

Bis 1995 war Jelzins angegriffene Gesundheit kein offizielles Thema. Bis seine Herzkrankheit in diesem Jahr bestätigt wurde, stellten ihn seine Gegner als Trunkenbold hin. Sie verwiesen auf missglückte Auslandsauftritte - darunter eine "Dirigenteneinlage" bei der Verabschiedung russischer Truppen in Berlin, und erklärten, der Präsident sei nicht mehr tragbar.

Nach einer Bypass-Operation wurden seine Krankenhaus- und Sanatorienaufenthalte länger - und seine Präsenz in der Öffentlichkeit nahm rapide ab, bis er in seiner Neujahrsansprache am Silvestertag 1999 seinen Rücktritt zu Gunsten von Wladimir Putin erklärte.

(apa/red)