Bleiben die Klimt-Bilder in Österreich? Die Suche nach Geldquellen hat schon begonnen!

NR-Präsident Khol: "Kein öffentliches Geld dafür" Potenzielle Sponsoren zeigen sich vorerst bedeckt

Nach der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung des Schiedsgerichts, wonach die fünf Klimt-Gemälde "Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Apfelbaum", "Buchenwald/Birkenwald" und "Häuser in Unterach am Attersee" an die Bloch-Bauer Erbin Maria Altmann restituiert werden müssen, hat die Suche nach Geldquellen für den Rückkauf der Bilder begonnen. Nationalratspräsident Andreas Khol sprach sich gegen die Verwendung öffentlicher Gelder aus und hofft auf Sponsoren - die üblichen Verdächtigen unter den potenziellen Mäzenen bzw. Unternehmen geben sich vorerst bedeckt: "Es ist wie bei Mikado - der erste, der sich bewegt, ist dran", hieß es unter anderem.

Bereits zuvor hatte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer klar gemacht, dass der Republik die finanziellen Mittel für einen Ankauf fehlen würden. Auch Khol betonte, dass sich die Politik dabei nur ideell, aber nicht materiell einbringen könne. Klar ist aber, dass die Zeit drängt. Gemäß einer im Schiedsvertrag festgehaltenen Optionsvereinbarung hat die Republik nur wenige Tage Zeit, ihr Kaufinteresse zu bekunden. Und auch für danach regelt ein exakt festgelegter Zeitplan den weiteren Ablauf.

Banken halten sich zurück
Bei den Großbanken heißt es unter anderem: "Wir kaufen Banken, keine Bilder". Dass man an Stelle des Staates nun schnell für Investitionen in nationalem Interesse einspringen sollte, erinnerte einen Banker gar an eine Spendenaktion: "Geht man schon mit dem Klingelbeutel um?" Selbst bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB), deren Chef Walter Rothensteiner stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Freunde der Österreichischen Galerie Belvedere ist, wird zusammen gefasst: Wenn die Regierung eine Bank brauche, um den Kauf zu finanzieren, stehe man gerne als Kreditgeber dafür zur Verfügung.

Springen Wlaschek oder Dichand ein?
Insider halten wiederum den 88-jährigen Billa-Gründer und Immobilienkaiser Karl Wlaschek und den 84-jährigen "Kronen Zeitung"-Gründer und Hälfteeigentümer Hans Dichand (einer der wichtigsten Klimt-Sammler Österreichs) für Schlüsselfiguren der laufenden Gespräche. Der Industrielle Hannes Androsch plädiert dafür, dass die Regierung "mindestens die Hälfte" des nötigen Betrags zahle. Ein Viertel solle über Sponsoren finanziert werden, das verbleibende Viertel durch einen Beitrag der Privatstiftungen Österreichs.

Opposition schießt sich auf Gehrer ein
Unterdessen schießt sich die Opposition auf Gehrer ein: Diese habe "versagt und die Steuerzahler alleine durch die Prozess-Kosten mit dreieinhalb bis vier Millionen Euro belastet", so SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures. Außerdem habe sie die Erben brüskiert, anstatt nach einer amikalen Lösung zu suchen. "Hätte Gehrer von Anfang an den Verhandlungsweg eingeschlagen und nicht jenen der Sturheit und Rechthaberei, dann hätte es wohl schon längst eine Lösung gegeben", meinte der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl.

Die Finanzprokuratur, die als "Anwalt der Republik" Österreich im Verfahren vertreten hat, wies die Kritik zurück. Das Schiedsgericht selbst habe gemeint, dass die Republik sich nicht grundlos gewehrt habe, betonte Gottfried Toman von der Finanzprokuratur. Hätte man zuvor einen Vergleich geschlossen, wäre der Vorwurf erhoben worden, unnötig Steuergelder zu verwenden, ohne die Frage vorher einer gerichtlichen Klärung zuzuführen. Hinzu komme noch, dass einer der Vorwürfe gegen die Republik im Verfahren darin bestanden habe, im Jahr 1948 einen "unsauberen Deal" geschlossen zu haben. Bei einem Vergleich hätte es heißen können, "es handle sich um einen weiteren Deal, und man möchte eine eindeutige Klärung der Sach- und Rechtslage durch eine unabhängige Einrichtung vermeiden". (apa/red)