Björndalen geschlagen: Franzose Defrasne holt Gold in Verfolgung über 12,5 Kilometer

Sprint-Sieger Fischer erobert Bronzemedaille Sumann wird Siebenter, Perner verschießt 7 Mal!

Ole Einar Björndalen, der vierfache Biathlon-Olympiasieger von Salt Lake City, schürft vier Jahre später bei den XX. Winterspielen, vorerst vergeblich nach Gold. Dafür ist der 32-jährige Norweger in Cesana San Sicario offenbar auf eine Silberader gestoßen. Nach spannendem Finish belegte der Superstar in der 12,5-km-Verfolgung wie schon im Einzelbewerb Rang zwei. Der französische Außenseiter Vincent Defrasne stürmte auf der Zielgeraden an Björndalen vorbei zu Gold. Christoph Sumann belegte als bester Österreicher Rang sieben.

Der 28-jährige Defrasne hatte erst im Jänner in Oberhof seinen ersten Weltcupsieg gefeiert, nun stand er bei Olympia zwischen zwei Großen (Björndalen und dem Deutschen Sven Fischer) auf dem Podest ganz oben. "Ich fühle mich etwas klein zwischen diesen Champions, aber jetzt habe ich auch meinen Platz", sagte der WM-Siebente von Hochfilzen 2005. Von der fünften Position gestartet, war er nach 15 fehlerfreien Schüssen Spitze. Zwei "Nieten" am letzten Schießstand gaben Björndalen zwar die Chance aufzuschließen, doch im Finale bezahlte der Superstar für seine zu rasante Aufholjagd.

Von Platz zwölf gestartet, war der Norweger mit Wohnsitz in Obertilliach (Osttirol) nach 3,5 Kilometern schon Dritter, doch insgesamt drei Strafrunden waren zu viel. "Ich habe mich entschieden, sehr schnell zu beginnen, aber auf der letzten Runde bin ich total leer gewesen", sagte Björndalen, der nach dem 10-km-Sprintrennen 31 Sekunden auf Defrasne aufzuholen hatte. "Vincent war stärker, ich konnte auf der Zielgeraden fast nicht mehr auf den Ski stehen."

Defrasne meisterte ein Problem am Schießstand - er hatte irrtümlich nur vier Patronen eingesetzt und musste nachladen - und einen Ausrutscher im letzten Anstieg. Und er behielt vor allem die Nerven, als der schnellste Läufer des Feldes aufschloss. Auf den "inneren Schweinehund", der ihm einflüsterte, mit Platz zwei zufrieden zu sein, hörte er nicht. "Nein, ich will gewinnen, habe ich mir gesagt", erzählte der Athlet aus Pontarlier im Jura, der auch den schnelleren Ski hatte als sein Rivale. "Jetzt bin ich überglücklich, das war zu 99,9 Prozent perfekt."

Mit einer perfekten Leistung im Liegendschießen wäre auch für Wolfgang Perner Edelmetall möglich gewesen. "Diese Fehler haben uns aus dem Rennen geworfen", erklärte ÖSV-Cheftrainer Alfred Eder. Perner vermochte seine günstige, vierte Startposition nicht zu nützen und war nach sechs Fehlern bei den ersten zehn Schüssen (jeweils liegend abgefeuert) klar aus dem Rennen.

"Das war unter meinem Niveau. Normal ist das meine Stärke, ich kann es mir nicht erklärten", sagte Perner. Nach insgesamt sieben Straffrunden belegte der Ramsauer den 25. Platz (+2:53,3) und war damit nur drittbester Österreicher.

Sumann verzeichnete liegend und stehend je einen Fehlschuss, damit stieß der Weltcup-Vierte von Antholz (damals von Platz 19 gestartet) von Rang 16 auf 7 vor und sorgte nach Perners viertem Sprint-Rang für eine weitere Top-Platzierung der ÖSV-Biathleten. "Zwei Fehler waren zu viel", sagte der Steirer, der aber auch mit Null nicht auf dem Podest gestanden wäre. 1:31 Minuten Rückstand am Start waren einfach nicht wettzumachen. Doch Sumann blickte optimistisch voraus: "Die Staffel kann kommen."

Wolfgang Rottmann verbesserte sich nach vier Strafrunden um sechs Plätze an die 21. Stelle (+2:30,3), Ludwig Gredler lief in seinem letzten Einsatz bei Olympischen Spielen - jene in Turin sind schon seine fünften - mit sechs Fehlschüssen von Position 54 auf 47 (+5:37,3).

Endstand
1. Vincent Defrasne FRA 35:20,2 Min.
2. Ole Einar Björndalen NOR +2,7
3. Sven Fischer GER +15,6
4. Ilmars Bricis LAT +26,7
5. Halvard Hanevold NOR +37,5
6. Frode Andresen NOR +56,7
7. Christoph Sumann AUT +1:19,5
8. Michael Greis GER +1:19,7
9. Maxim Tschudow RUS +1:21,2
10. Julien Robert FRA +1:55,7
11. Nilolaj Kruglow RUS +1:58,7
12. Ricco Gross GER +2:03,3
13. Rene Vuillermoz ITA +2:07,1
14. Christian de Lorenzi ITA +2:08,3
15. Iwan Tscheresow RUS +2:09,5
weiter:
21. Wolfgang Rottmann AUT +2:30,3
25. Wolfgang Perner AUT +2:53,3
47. Ludwig Gredler AUT +5:37,3

(apa)