Bisher bestritten: Frankreichs Atomtests strahlten bis Tahiti und in die Antarktis

Radioaktive Wolken trieben tausende Kilometer weit U-Ausschuss kritisiert offizielle Beschwichtigungen

Frankreichs jahrelange Atomtests im Pazifik haben bis nach Tahiti gestrahlt und selbst in der Antarktis nachweisbare radioaktive Spuren hinterlassen. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss des Parlaments von Französisch-Polynesien in seinem am Mittwoch (Ortszeit) in Papeete veröffentlichten Bericht. Behauptungen, die überirdischen Atomversuche in den Jahren 1966 bis 1974 seien "sauber und gefahrlos" gewesen, seien "eine echte Unwahrheit".

Der französische Staatschef Jacques Chirac hatte 2003 unter Berufung auf eine Studie der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAE=) von 1998 beteuert, die Atomtests würden die Gesundheit "weder auf kurze noch auf lange Sicht" beeinträchtigen.

Allein beim überirdischen Atomtest "Centaure" über dem mehr als tausend Kilometer entfernten Mururoa-Atoll am 17. Juli 1974 sei auf Tahiti sechs Mal mehr radioaktive Strahlung gemessen worden als üblich, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf lange geheim gehaltene Quellen. Mit nur 14 Mess-Stationen in ganz Polynesien - einem Gebiet von der Fläche Europas - sei es unmöglich gewesen, nukleare Verschmutzung genau festzuhalten. Radioaktive Wolken bewegten sich den Angaben zufolge zudem über den ganzen Pazifik; selbst am Südpol wurden bei jüngsten Forschungsbohrungen radioaktive Teilchen gefunden. Offizielle Studien über die entsprechenden Höhenwinde seien unzureichend, teils nachlässig betrieben worden, heißt es in dem Bericht.

In den polynesischen Atollen Fangataufa und Mururoa hatte Frankreich zwischen 1966 und 1996 mehr als hundert Atomtests ausgeführt, die meisten davon unterirdisch. Die letzte Testkampagne war 1995 von Chirac angeordnet worden. Das seit 1996 teils autonome Papeete streitet seit langem mit Paris um mögliche Schäden für die Umwelt sowie die Gesundheit der Anwohner.

(apa)