Biathlon-Staffel-Gold geht an Deutschland: Österreicher nach Doping-Affäre Letzter

Verteidigung gegen Dopingverdacht im Vordergrund Deutsche triumphieren vor Russland und Frankreich

Österreichs Biathleten hätten auch beim Gewinn der erhofften Olympia-Staffel-Medaille nicht stärker im Mittelpunkt stehen können. Das Interesse der internationalen Medien galt am Dienstag aber weniger den sportlichen Leistungen von Daniel Mesotitsch, Fritz Pinter, Ludwig Gredler und Christoph Sumann, die abgeschlagen den 17. und letzten Staffel-Platz belegten (nach einer Strafrunde und elfmal Nachladen 6:34,9 hinter Sieger Deutschland), als der Situation im ÖSV-Team nach der Doping-Razzia der italienischen Behörden.

Die noch bei den Spielen anwesenden Sportler seien "sauber", über die in die Heimat gereisten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann könne man vor Vorliegen der Untersuchungsergebnisse nichts sagen, lautete der Tenor der Aussagen. Das Quartett ärgerte sich unisono über Falschmeldungen, Gerüchte und darüber, dass alle in einen Topf geworfen würden. Von den Kollegen aus anderen Ländern würden sie aber keineswegs schief angeschaut.

"Es war fast nicht möglich, da eine Leistung zu bringen, wenn man drei Tage nur dasitzt und sich den Frust von der Seele redet. Sie sind am Ende", erklärte Cheftrainer Alfred Eder. Der Salzburger ärgerte sich über Gerüchte von einer weiteren Kontrolle und seiner angeblichen Verhaftung. In Wahrheit hatte es eine Razzia im Langlauf-Trainer-Quartier gegeben. Er könne nur hoffen, dass die Ergebnisse der Untersuchung möglichst bald auf dem Tisch kämen. "Wir wollen wissen, was Fakt ist. Sie sollen sich an jene halten, die Mist gebaut haben."

Ludwig Gredler hätte sich seinen Abschied von Olympia nach fünf Teilnahmen wahrhaftig anders vorgestellt. Anstatt über sportliche Leistungen zu sprechen, musste sich der 38-jährige Tuxer gegen Dopingvorwürfe rechtfertigen. Er tat es leidenschaftlich. "Ich betreibe seit 16 oder 17 Jahren Leistungssport und habe nie etwas Verbotenes genommen. Ich weiß, dass ich komplett unschuldig bin, trotzdem bleibt etwas hängen an mir", meinte Gredler. Eine Abreise war für ihn und die drei anderen Staffel-Läufer nie zur Debatte gestanden.

"Leider sind das verpatzte letzte Spiele, aber wichtig ist, dass ich ein reines Gewissen habe. So ist der Misserfolg leichter zu verkraften. Ich hatte im Rennen nix in die Haxn und nix in die Hände", sagte Gredler. Und weiter: "Eine Medaille? Die war bei dieser Vorgeschichte nicht mehr drinnen." Der Vize-Weltmeister von 2000 möchte seine Karriere noch bis zur WM 2007 in Antholz fortsetzen und auch Eder will weitermachen. "Ich werde in nächster Zeit nicht davonlaufen und alle im Stich lassen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Auch Christoph Sumann verteidigte sich und seine Staffel-Kollegen gegen Pauschalverdächtigungen. "Diejenigen, die da sind, haben nichts Unrechtes getan, wir haben nichts zu verbergen", erklärte der Steirer. Und zum Rennen: "Ich war zwar da, körperlich und geistig aber nicht anwesend. Ich hatte nicht die Kraft zu fighten."

Fritz Pinter kritisierte die "Schauergeschichten, die stündlich neu auftauchen". Die vergangenen drei Tage seien eine Hetzjagd gewesen. "Das belastet das ganze Team. Das Antreten zur Staffel war die besten Antwort, denn wir haben uns nichts vorzuwerfen." Das Debakel war vorhersehbar gewesen, mit Startläufer Daniel Mesotitsch wurde es Realität. "Ich war einfach fertig", sagte der Kärntner.

Er führte die schlechte Vorstellung allerdings eher auf mangelnde Form ("Vier Wochen in dieser Höhenlage sind einfach zu lang, ich brauche eine Pause"), als auf die Vorfälle der vergangenen Tage zurück. "Wir haben danach viel mitsammen gesprochen und waren voll motiviert." Doch das Rennen lief an den Österreichern vorbei, sie brachten die Vorfälle der vergangenen Tage nicht aus dem Kopf.

Endergebnis Biathlon-Staffel:
1. Deutschland 1:21:51,5 Min. (8 Fehlschüsse/1 Strafrunde) (Ricco Gross/1 Fehlschuss, Michael Rösch/0, Sven Fischer/4, Michael Greis/3)
2. Russland +20,9 Sekunden (6/0) (Iwan Tscheresow/3, Sergej Tschepikow/0, Pawel Rostowzew/2, Nikolaj Kruglow/1)
3. Frankreich +43,6 (6/0) (Julien Robert/0, Vincent Defrasne/1, Ferreol Cannard/2, Raphael Poiree/3)
4. Schweden +43,6 (12/0) (Jakob Börjesson/4, Björn Ferry/3, Mattias Nilsson Jr./3, Carl Johan Bergmann/2)
5. Norwegen +1:12,1 Minuten (9/2) (Halvard Hanevold/2, Stian Eckhoff/2, Frode Andresen/5, Ole Einar Björndalen/0)
6. Tschechien +1:12,5 (11/1) (Ondrej Moravec/1, Zdenek Vitek/3, Roman Dostal/4, Michal Slesingr/3)
7. Ukraine +1:48,9 (1/11) (Olexander Bilanenko/3, Andrej Derisemlja/2, Alexej Korobejnikow/2, Ruslan Lysenko/4)
8. Italien +1:49,4 (2/10)(Christian de Lorenzi/2, Rene Laurent Vuillermoz/2, Paolo Longo/3, Wilfried Pallhuber/3)
9. USA +2:31,9 (1/17) (Jay Hakkinen/3, Tim Burke/6, Lowell Bailey/4, Jeremy Teela/4)
10. Slowenien +3:09,9 (1/10)(Janez Maric/4, Janez Ozbolt/1, Klemen Bauer/4, Matjaz Poklukar/1)
weiter:
17. Österreich +6:34,9 (1/11) (Daniel Mesotitsch/5, Friedrich Pinter/0, Ludwig Gredler/3, Christoph Sumann/3)

(apa)