Bezirkschefin Stenzel räumt in der Wiener City auf: "Für mich gibt es keine Tabus"

In NEWS fordert sie: "Die City braucht mehr Würde" Die Ex-Europapolitikerin ist in aller politischer Munde

Bezirkschefin Stenzel räumt in der Wiener City auf: "Für mich gibt es keine Tabus"

Die Dame sorgt für gehöriges Aufsehen, nicht zuletzt auch in ihrer eigenen (Volks-) Partei: Ursula Stenzel, gerade seit 1. Februar nicht mehr EU-Abgeordnete, seit knapp 40 Tagen neue Bezirksvorsteherin in Wien 1 - Innere Stadt, ist entschlossen, in der "City" aufzuräumen. Ihr Motto: Weg mit "Tingeltangel" und dem, was angeblich die Lebensqualität der City-Bewohner stört. Wider Alkohol und Drogen, wider Reisebusse, Silvesterpfad, Schanigärten, Straßenfeste - nichts ist mehr vor ihr sicher. Stenzel erzeugt Staunen ebenso wie Unverständnis und ist in aller politischer Munde. Im NEWS-Gespräch begründet sie, warum sie - bewundert, belächelt, bekämpft - mit verbalen Aufregern à la "City-Maut" und "Nachtfahrverbot" ihr Amt begonnen hat.

NEWS: Sie sind seit kurzem Bezirksvorsteherin Wien-Innere Stadt und äußerst unkonventionell unterwegs. Was haben Sie denn wirklich vor?

Stenzel: Die Innere Stadt, die City, der 1. Bezirk Wiens und auch Österreichs, ist Aushängeschild mit Sonderstellung. Als Kulturerbe. Als touristische Attraktion ersten Ranges. Als geistiges und politisches Zentrum Mitteleuropas. Daher: Wien I ist ein Marktplatz, aber kein Jahrmarktplatz. Wien I ist Weltkulturerbe, aber kein Freilichtmuseum. Und: Wien I ist eine Zone des Lebens und Wohnens - und da hakt es seit langem. Seit Jahren wird vieles auf dem Rücken der Innenstadtbewohner ausgetragen. Beispiel: Parkplätze wurden wegrationalisiert, sei es durch Fiaker, Taxis, Schanigärten, Erweiterung von Gehsteigen, Touristenbusse mit laufenden Motoren bis ins Herz der Stadt. Also Belästigung verschiedenster Art durch Lärm und Tingeltangel. Daher: Es besteht Handlungsbedarf.

NEWS: Also weniger Events, weniger Feste. Schanigärten, Lärm, auch via City-Maut ...

Stenzel: Dieses Wort habe ich nie in den Mund genommen. Aber City-Maut ist ein Verkehrskonzept unter vielen. Man soll sich alles anschauen. Für mich gibt es keine Tabus. Grundsätzlich gilt für mich: Ich will, ich muss Ventile zur Diskussion mit der Bevölkerung öffnen.

NEWS: Wie läuft Ihre Zusammenarbeit mit Bürgermeister Michael Häupl? Hat er Verständnis für Ihre Ideen, oder wischt er sie vom Tisch?

Stenzel: Häupl ist ein sehr guter, sehr erfahrener Politiker, der über den Dingen stehen muss. Auch über mir.

NEWS: Kritiker sagen, Sie würden mit Ihren Vorstößen die urban-liberale Stadtpolitik von Wiens ÖVP-Chef Johannes Hahn konterkarierten, quasi einen "Hofratsbezirk" in Wien I anstreben.

Stenzel: Wirklich nicht. Ich bin mit dem Gio Hahn absolut auf einer Linie. Ich will die Urbanität der Wiener City betonen, ich will der Innenstadt ganz einfach ihrem Charakter entsprechend wieder mehr Würde verleihen. Denn es ist ein Unterschied, ob bestimmte Dinge wunderbar in den Wurstelprater passen oder ob man sie im Kern der Stadt macht.

NEWS: Was ist Ihre Vision?

Stenzel: Über vieles hat man bisher immer nur am grünen Schreibtisch nachgedacht und es dann verordnet - die Bürger wurden nicht einbezogen. Nichts war transparent. Was man der EU teilweise zu Recht vorwirft, diese Klüngelei, dieses Hinter-den-Kulissen-Handeln - nein, ich will die Dinge in Wien I vor den Kulissen machen. Mit der Bevölkerung. Mit den Fachleuten. Mit dem Magistrat.

Das Interview mit Ursula Stenzel finden Sie in voller Länge im aktuellen NEWS!