"Beurlaubung nicht gerechtfertigt": Schoko Schachner versteht GAK-Rausschmiss nicht

Verein: Schachner nicht zu 100% hinter Sparkonzept Coach: "Keine Forderung gestellt, Anregung geliefert"<br>Schachner kann sich weiter Arbeit für GAK vorstellen

Der am Montag vom Fußball-T-Mobile-Bundesligisten GAK beurlaubte Walter Schachner nahm entgegen seiner Ankündigung am Montagabend doch noch zur Trennung von den "Rotjacken" Stellung und zeigte sich dabei vom Vorgehen von Präsident Harald Sükar überrascht. "Ich habe keine Äußerung oder Handlung gesetzt, die eine Beurlaubung rechtfertigen könnte. Ich habe mich immer absolut vertragstreu verhalten und mit ganzer Kraft für den GAK eingesetzt", so Schachner gegenüber der APA.

Der Ex-Meistermacher kann sich trotz der bereits erfolgten Präsentation seines Nachfolgers Lars Söndergaard auch eine Fortsetzung seiner Arbeit beim GAK vorstellen. "Ich bin selbstverständlich auch jetzt noch bereit, meine Arbeit jederzeit fortzusetzen." In einer ersten Reaktion meinte Schachner noch: "Ich bin beurlaubt, werde also wieder auf Urlaub fahren".

Forderungen oder nur Anregungen?
Sükar hatte die Beurlaubung damit begründet, dass Schachner personelle Bedingungen in Bezug auf die Neustrukturierung des Klubs gestellt habe. "Dies waren lediglich Anregungen, um weiterhin eine erfolgreiche Arbeit gewährleisten zu können. Es ist nicht richtig, dass ich diese Anregungen als Forderungen gestellt habe", erklärte Schachner.

Schachner hat laut eigenen Angaben Sükar die Verpflichtung eines Amateurtrainers sowie eines Nachfolgers für den verstorbenen Sportdirektor Hannes Weninger vorgeschlagen. Auch die Tatsache, dass der Verein aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sei, einige Leistungsträger abzugeben, habe zu keinen Differenzen geführt. Schachner: "Ich wurde gefragt, ob ich mir eine Arbeit unter diesen Aspekten vorstellen könne. Meine Antwort darauf war ein klares Ja."

Schachner knüpfte unerfüllbare Bedingungen
GAK-Präsident Harald Sükar begründete die Beurlaubung von Schachner am Montag mit personellen Bedingungen, die Schachner in Bezug auf die Neustrukturierung des Klubs vor Weihnachten gestellt hatte und die er "nicht erfüllen" könne und möchte. "Der GAK steht wirtschaftlich nicht auf den tollsten Beinen. Wir müssen den Verein wirtschaftlich und sportlich neu konsolidieren", sagte Sükar der APA.

Um diesen steinigen Weg zu gehen, brauche er "hundertprozentigen Einsatz", den er von Schachner nicht erwarten könne. "Wir müssen die Kostenstrukturen durchforsten und vor allem die Ausgabenseite reduzieren", erklärte Sükar. "Das heißt auch, dass wir noch den einen oder anderen Spieler abgeben werden." Zuletzt hatte sich der GAK einvernehmlich vom slowakischen Internationalen Igor Demo getrennt.

Verein steht hinter Entscheidung
"Es war eine Entscheidung des Gesamtvorstandes, kein Alleingang von Sükar", betonte GAK-Sportdirektor Thomas Hösele. Der GAK hat für den heutigen Vormittag eine Pressekonferenz angesetzt, auf der laut Hösele Söndergaard als Schachner-Erbe präsentiert wird. Der 46-jährige Ex-Salzburg und -Austria-Trainer war schon für den Fall eines freiwilligen Abganges Schachners als Nachfolger im Gespräch.

Mit Nachfolger Lars Söndergaard wolle Sükar den "skandinavischen Weg" gehen und vor allem aus dem Verkauf eigener Spieler Kapital schöpfen. "Ich dränge auf den Einbau des eigenen Nachwuchses, der auch dementsprechend kostengünstig ist", sagte der Geschäftsführer von McDonald's Österreich, der beim GAK kommende Saison ausgeglichen budgetieren und 2007/2008 bereits einen Überschuss erwirtschaften will.

Ehmann: "Es hat sich abgezeichnet"
Die Mannschaft reagierte nicht wirklich überrascht, als Sükar vor dem Vormittagstraining Schachners Beurlaubung mitteilte. "Es hat sich abgezeichnet", meinte Kapitän Anton Ehmann. "Es war nur eine Frage der Zeit. Man hat gemerkt, dass gewisse Spannungen da waren. Aber ich habe eher gedacht, dass Walter den Schlussstrich zieht. Er hat Angebote gehabt. Wenn einer bleiben möchte, würde er sich klar deklarieren. Das hat er nicht getan."

"Für die Mannschaft und die Spieler ist es ein Verlust, auch für mich, weil wir viele Erfolge hatten", sagte Ehmann, der aber auch von Schachner-Nachfolger Söndergaard eine hohe Meinung hat. "Von der fachlichen Kompetenz ist er nicht weit hinter Schachner. Er hat auch das gleiche taktische Konzept wie er, wir werden einen neue Ära beginnen", meinte er. Die Zielsetzung Champions League sei nicht mehr realistisch, aber wir werden es trotzdem versuchen.

Die zahlreichen Angebote und Gespräche, die der scheidende GAK-Trainer mit anderen Klubs geführt hat, sollen sich nicht positiv auf seine Beziehung zu Präsident Sükar ausgewirkt haben, der darüber hinaus aus finanziellen Überlegungen die Zielsetzung des GAK nach unten korrigieren will. Ein Sparkonzept ist angekündigt, das Schachner scheinbar nicht mittragen will.

Überraschter Schachner
Schachner war schon einmal trotz erfolgreicher Trainertätigkeit bei einem Bundesligisten über Nacht abgelöst worden. Der Ex-Goalgetter hatte am 4. Oktober 2002 als Coach von Austria Wien dem Deutschen Christoph Daum weichen müssen, obwohl die Wiener als Tabellenführer auch im UEFA-Cup noch vertreten waren. Bereits fünf Tage später entschied sich "Schoko" für den GAK und gegen ein lukratives Angebot von Schachtjor Donezk aus der Ukraine.

Nach genau drei Jahren und drei Monaten geht nun eine von Erfolgen gekennzeichnete Ära zu Ende. Unter Schachner, der seine Trainerkarriere 1999 in Zeltweg begonnen hatte und nach zwei Jahren beim FC Kärnten (Aufstieg in die Bundesliga) zur Austria übersiedelt war, holte der GAK 2004 nicht nur das Double mit Meisterschaft und Cup, sondern sorgte auch in Europa für Aufsehen.

Nach einem knappen Ausscheiden in der Qualifikation zur Champions League gegen den späteren Sieger Liverpool (0:2 zu Hause, 1:0 auswärts), spielte sich der steirische Klub im UEFA-Cup in die Runde der letzten 32, scheiterte dort aber an Middlesbrough. In der laufenden Saison gingen die Grazer in der ersten Runde gegen Racing Straßburg mit 0:2 und 0:5 unter.

(apa/red)