Betrug: 300 Millionen € bei Geldtransport-Firma in Deutschland wurden unterschlagen

Kundengelder wurden für private Zwecke entnommen Gruppe Heros meldete daraufhin die Insolvenz an

Deutschlands führende Geldtransportfirma Heros hat für alle 23 Tochterfirmen Insolvenz angemeldet. Laut dem Sprecher des Amtsgerichts Hannover, Michael Siebrecht ist der Antrag um 14.30 Uhr eingegangen.

Am Montagnachmittag teilte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen mit, dass wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash aus Mönchengladbach am Wochenende verhaftet worden seien.

In einem der größten Betrugsfälle überhaupt sollen Mitarbeiter der Geldtransport-Gruppe Heros rund 300 Mio. Euro unterschlagen haben. Wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs seien vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash aus Mönchengladbach am Wochenende verhaftet worden, teilte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt am Montag mit.

Nordcash hat sich darauf spezialisiert, die Tageseinnahmen von Supermärkten und Warenhäuser abzuholen, zu zählen und auf die Konten der Unternehmen einzuzahlen. Nach Angaben aus Handelskreisen transportierte Heros täglich rund 600 Mio. Euro. Dabei sollen die Mitarbeiter im Laufe mehrerer Jahre Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe entnommen haben. Das Geld sollen sie teils in die eigene Tasche gesteckt und "in ganz erheblichem Umfang" auch für die eigene Firma ausgegeben haben, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. Von der Heros-Gruppe war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Bei einer Razzia am vergangenen Freitag waren in den niederrheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover 25 Firmen und Privatwohnungen durchsucht worden. Das sichergestellte Beweismaterial und die Angaben der Beschuldigten deuteten auf einen tatsächlichen Schaden von 300 Mio. Euro hin, erklärte das LKA. Nähere Einzelheiten wollten die Ermittler mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht mitteilen.

Auch Karstadt und Kaufhof unter Geschädigten?
Zu den Geschädigten dürften unter anderem die beiden großen deutschen Warenhaus-Konzerne Karstadt und Kaufhof gehören. Karstadt-Sprecher Jörg Howe sagte der AP: "Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen." Wie hoch der Schaden sei, könne man jedoch noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde er sehr deutlich unter der von der Polizei genannten Schadenssumme liegen. Auch Kaufhof nutzte das Geldtransport-Unternehmen in einigen Filialen zum Transport von Bargeld. Ein Sprecher betonte jedoch: "Wir arbeiten mit tagesgenauen Gutschrift- und Kontrollverfahren, so dass nur ein sehr geringes Verlustrisiko besteht. Wir sind aber dabei, alles zu prüfen."

Die Bundesvereinigung der deutschen Geld- und Wertdienste (BDGW) schloss die Mitglieds-Unternehmen der Heros-Gruppe aus dem Verband aus. "Damit soll Schaden von den seriösen Mitgliedsunternehmen der BDGW abgewendet werden", hieß es in einer Erklärung. Das Preis-Dumping von Heros-Unternehmen habe in den vergangenen Jahren Dimensionen erreicht, die betriebswirtschaftlich nicht mehr zu erklären gewesen seien, merkte der Verband an. Das gelte umso mehr angesichts der zahlreichen Firmenkäufe durch Heros. Der Verband sprach von einem Vertrauensschaden, der sich negativ auf die ganze Branche auswirke.

Nach Angaben des Bundesverbands hatte die Heros-Gruppe bisher einen Marktanteil von 50 Prozent. Insgesamt verfüge die Geld- und Wertdienst-Branche über 3.000 gepanzerte Fahrzeuge und beschäftige 10.000 Mitarbeiter. In 2005 hat die Branche 450 Mio. Euro umgesetzt.

(apa)