Erst die die TIWAG, dann die Energie Klagenfurt und jetzt auch noch die BEWAG: In den letzten Monaten haben einige österreichische Energieversorger wieder angekündigt, ihre Strom- bzw. Gaspreise zu erhöhen. Ein Grund zur Sorge für die österreichischen Haushalte? Drehen auch andere Anbieter bald an der Preisschraube? Johannes Mayer, Chefvolkswirt bei der Energieregulierungsbehörde E-Control, beruhigt: "Die Strom- und Gaspreise werden diesen Winter voraussichtlich stabil bleiben." Allerdings: Am unteren Ende der Preisskala kann man Erhöhungen niemals ausschließen.
Die etwa 150.000 Haushalts-Kunden der BEWAG müssen sich demnächst wohl auf unangenehme Post gefasst machen. Der burgenländische Energieversorger plant nämlich eine Anhebung des Strompreises um satte sechs Prozent per 1. Jänner. Auf den Gesamtpreis wirkt sich das mit einer Erhöhung von rund zweieinhalb Prozent aus. In der Energie Allianz Austria (EAA), der gemeinsamen Energievertriebsgesellschaft von BEWAG, BEGAS, EVN und Wien Energie, ist man bemüht, die Pläne der BEWAG als Alleingang zu werten. "Derzeit sehen wir keinen Anlass für eine Preiserhöhung. Wir gehen davon aus, dass die Strompreise stabil bleiben", wird NEWS.at auf Nachfrage versichert. Garantien möchte man seitens der EAA aber keine aussprechen, "wir beobachten weiterhin die Märkte".
"Anpassungen" bei Günstig-Anbietern
Wenige Tage vor der BEWAG kündigte die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) an, den Strompreis für Tarifkunden zum 1. Dezember 2010 zu erhöhen. Für einen Tiroler Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch erhöht sich die Stromrechnung somit um rund elf Euro im Jahr. Mit einem Netto-Energiepreis von 6,077 Cent pro Kilowattstunde und 12 Euro/Jahr Grundpauschale liegen die Tiroler im Österreich-Vergleich aber im unteren Preissegment. Zum Vergleich: Bei der Wien Energie schlägt die Kilowattstunde Strom mit 9,9451 Cent zu Buche. Dass es in Tirol "Niveauanpassungen" gebe, ist für Mayer daher nicht überraschend.
Auch andere kleinere Anbieter könnten nachziehen. Die Energie Klagenfurt (EKG) etwa hat kürzlich für 1. Dezember eine Gaspreiserhöhung um sieben Prozent bekanntgegeben. Im Großen und Ganzen dürfen sich die Österreicher in den nächsten Monaten aber auf stabile Kosten für Strom und Gas einstellen, so Mayer.
Die Pläne der Burgenländer hat der Branchenexperte mit einiger Verwunderung aufgenommen: "Diese Preiserhöhung ist schon mutig." Schließlich befänden sich die Preise für Strom und Gas auf den internationalen Märkten seit Juni vergangenen Jahres im Sinkflug. Bei der BEWAG dürften jedoch auch noch andere Gründe eine Rolle gespielt haben.
Preisvorteile werden nicht weitergegeben
Womit wir beim wohl größten Ärgernis für die heimischen Energieverbraucher wären: Die Strom- und Gasanbieter haben laut E-Control die aktuellen Preisvorteile auf den Großhandelsmärkten heuer nämlich nur unzureichend an die Privatkunden weitergegeben. Auch eine Studie der Arbeiterkammer unter 14 österreichischen Energieversorgern bestätigt diesen Befund, der frappante Ähnlichkeiten mit der Ölbranche aufweist: Preissteigerungen werden demnach sofort, Preissenkungen hingegen nur zaghaft weitergegeben. Die E-Wirtschaft wirft der Arbeiterkammer allerdings vor, mit ihrer Studie "ein völlig verzerrtes Bild" zu zeichnen. Der Beobachtungszeitraum (Juli 2008 bis Juni 2010) der Studie sei "willkürlich gewählt", kommentierte der oberösterreichische Versorger Energie AG das Studienergebnis im August. Dennoch: Speziell bei "höherpreisigen" Energieanbietern, etwa EVN oder Verbund, gibt es für Haushaltskunden laut E-Control duchaus noch Senkungspotenzial. Dass die Unternehmen die geringeren Beschaffungskosten tatsächlich weitergeben, gilt aber allgemein als eher unwahrscheinlich.
Ein Vergleich lohnt sich
Von den Kunden werden die Preiserhöhungen ihrer Energieversorger meist nur zähneknirschend zur Kenntnis genommen. Ein Anlass, um den Anbieter zu wechseln, sind sie meist nicht. "Die Wechselbereitschaft der Österreicher ist nach wie vor gering", erklärt Mayer. Erst zehn Prozent der Strom- und fünf Prozent der Gaskunden haben seit der Marktliberalisierung 2001 bzw. 2002 den Anbieter gewechselt. Dabei zahlt sich ein Wechsel des Strom- und Gaslieferanten in vielen Regionen Österreichs aus. Mayer rät, sich über Einsparungspotenziale ausführlich zu informieren und einen Anbieterwechsel alle zwei bis drei Jahre in Erwägung zu ziehen. Somit käme man öfters in den Genuss von Rabatten und Sonderaktionen - und kann bei angekündigten Preiserhöhungen rechtzeitig den Stecker ziehen.
Webtipp:
Tarifkalkulator der E-Control
Jörg Tschürtz