Benjamin Raich im großen NEWS-Interview: "Für viele wirke ich vielleicht zu brav"

Warum Benni Raich mit seinem Image hadert Und wie der ÖSV-Star mit seinem Erfolg umgeht

NEWS: Sie sind als Interview-partner begehrter als je zuvor. Haben Sie sich mit der Presse immer schon leicht getan?
Raich: Ich finde, dass ich das immer recht gut gemacht habe. Sicher kommen von mir nicht so aufregende Aussagen wie von Bode Miller oder Hermann Maier. Für die Journalisten wirke ich dann zu normal oder zu brav. Aber ich bin halt so, wie ich bin.

NEWS: Ist es auch mühsam, ein Musterschüler zu sein?
Raich: Wenn ein Musterschüler einer ist, der immer brav ist und zu allem ja und amen sagt, bin ich sicher keiner. Das schaut vielleicht nach außen so aus, gerade was das Skifahren betrifft. Und der Schüler von irgendwem bin ich sowieso nicht. Das wäre ja ein völlig falscher Zugang. Ich bin einfach Teil eines Teams.

NEWS: Fast scheint es, als dürften Sie nicht erwachsen werden.
Raich: Ich habe wie andere auch eine gewisse Rolle bekommen. Wie ich in den ÖSV gekommen bin, war ich noch sehr jung. Und mit 17, 18, 19 macht dort eben keiner große Sprüche. Aber ich habe nichts dagegen, wenn das Musterschüler-Image endlich zu Grabe getragen wird. Ich werde ja auch älter und hoffentlich immer g'scheiter.

NEWS: Schränkt Sie Ihre Popularität ein?
Raich: Kaum. Ich habe mir den Sport ausgesucht und wollte immer gut sein. Und der Erfolg bringt eben Aufmerksamkeit mit sich. Darum werde ich mich nicht verstecken. Und vielleicht bin ich ja so beliebt, das wäre doch auch nicht schlecht.

NEWS: Kann es sein, dass Ihre Erfolge ein wenig selbstverständlich genommen werden?
Raich: Jeder, der ein bisserl Ahnung hat vom Sport, sollte wissen, das es nie selbstverständlich sein kann, dass man ein Rennen gewinnt, dass man Weltmeister wird und schon gar nicht, dass man immer vorn dabei ist. Es ist sehr schwierig, und das sieht man doch. Es muss nur eine Kleinigkeit nicht passen, wie das beim Hermann der Fall ist, und schon ist man nicht mehr ganz vorne dabei. Das unterschätzen sicher viele.

NEWS: Kennen Sie sportliche Krisen überhaupt?
Raich: Natürlich. Doch in meiner ganzen Karriere habe ich nie ein Jahr gehabt, das komplett für die Fisch' war. Aber in manchen Disziplinen ist's mitunter nicht gelaufen. Oft habe ich das Gefühl gehabt, jetzt bin ich zwei, drei Sekunden hinten, aber eigentlich gut gefahren. Wie soll ich das wieder aufholen? In so einer Situation fühle ich mich wirklich schlecht.

NEWS: Was fehlt Ihnen in der Abfahrt?
Raich: Vielleicht nur ein g'scheiter Lauf. Ich habe ja schon gezeigt, dass ich vorne mitfahren kann. Ein Sieg ist auf jeden Fall ein Riesenziel von mir. Daher haben wir auch in diese Richtung einen sehr großen Aufwand betrieben. Noch macht er sich nicht ganz bezahlt, aber ich weiß, dass das noch wird.

NEWS: Vielleicht am Wochenende in Kitzbühel?
Raich: Wer weiß? Ich freue mich jedenfalls sehr auf Kitzbühel. Das ist ein Rennen, das jeder irgendwann gewinnen will. Aber natürlich kommt wie immer das Beste am Schluss: der Slalom.

NEWS: Im Slalom läuft es für Ihre Freundin Marlies Schild besonders gut. Motivieren Sie sich wirklich gegenseitig?
Raich: Natürlich kann man sich helfen, aber sicher nicht mit Tipps. Wichtig ist einfach, dass man sich gut versteht, und das ist bei uns auf jeden Fall so. Und wenn man noch ein gemeinsames Thema hat, wie bei uns Skifahren, dann kann das kein Nachteil sein.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS!