Ben Becker von

"Heit drah i mi ham"

Exzentriker liebt den Wiener Schmäh und spricht über seine vielseitigen Rollen

Ben Becker - "Heit drah i mi ham" © Bild: APA/Gindl

Immer an den Abgründen entlang wie ein Akrobat, der seinen Beruf als tägliches Spiel um Leben und Tod versteht. Ben Becker, 47, ist ein Schauspieler, der Kompromiss und Bequemlichkeit verachtet und sich dabei selbst nie geschont hat. Am 8. Oktober singt er im Wiener Konzerthaus Morbides u. a. von Ambros und Leonard Cohen. Zum NEWS-Interview erschien ein Melancholiker.

NEWS: Erst der Life Ball , jetzt die Salzburger Festspiele , am 8. Oktober ein Konzert mit dem merkwürdigen Titel „Den See“
in Wien. Was zieht Sie nach Österreich?
Ben Becker: Mein Gott, mir gefällt eben der Schmäh bei euch, und ich mag die Menschen. Ich hatte jedes Mal eine gute Zeit in Österreich, und man scheint mich auch zu mögen.

NEWS: Was soll „Den See“ heißen? Das ist doch kein verständlicher Titel.
Ben Becker: Ich finde den Titel leicht ver­störend, darum hab ich ihn so ausgewählt. Mit „Den See“ ist übrigens ein kleiner See bei Salzburg gemeint, der mich auch inspi­riert hat.

NEWS: Zermürbt Sie nicht diese Wiener Schwere? Die Morbidität, die dieser Stadt doch eigen ist?
Ben Becker: Bisher hat mich die Stadt noch nicht zermürbt, aber ich war auch noch nie allzu lange in Wien. Ich habe den Eindruck, dass das Morbide, die Kultur des Zentralfriedhof-Gehens, mit einem gewissen schwarzen Humor gehandhabt wird. Dar­über kann ich lachen, das gefällt mir. Und darum bin ich auch gespannt, wie die ­Österreicher auf mein Konzert reagieren. Es ist ja ein melancholischer Abend eines Preußen, der da stattfindet. Ich erzähle ­einfach unheimlich gerne Geschichten, und das mache ich mit diesem Konzert.

NEWS: Sie interpretieren auch einen Song von Wolfgang Ambros. Weshalb?
Ben Becker: Als ich den Song „Heit drah i mi ham“ von Ambros zum ersten Mal gehört habe, habe ich mir gedacht: Dieser Text darf doch nicht wahr sein – auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe. Es war dann einfach mein tiefster Wunsch, den Text – es geht darum, wie einer in der Badewanne liegt und sich die Pulsadern aufschneidet – ins Hochdeutsche zu übersetzen und zu schauen, wie das in Hamburg ankommt.

NEWS: Und?
Ben Becker: Es hat gefallen, der ganze Konzertabend kam gut an. Er ist sehr melancholisch und dunkel. Nicht so, dass die Leute sich ­danach einen Strick kaufen, aber teilweise ist der Abend schon sehr traurig, und es treibt einem die Tränen in die Augen.

NEWS: Warum muss es bei Ihnen jetzt so melancholisch sein?
Ben Becker: Ja, sonst fragt man mich immer, ­warum es immer so laut sein muss. Jetzt bin ich einmal etwas leiser, und schon bin ich melancholisch. Ich zeige momentan eben meine nachdenkliche Seite. Ganz einfach, weil ich Lust dazu habe. Vielleicht auch, weil ich bald 50 Jahre alt werde.

NEWS: Meinen Sie damit, dass Sie sich langsam alt fühlen?
Ben Becker: Aber keineswegs, ich habe noch 25 oder 30 Jahre, bis ich am Stock gehe. Und bis dahin will ich mich nicht lang­weilen und noch neue Dinge entdecken. Diese ruhige Seite ist etwas, das ich bisher noch nicht nach außen gekehrt habe. Ich bin eben ein facettenreicher Mensch. Dazu passt ebenso, dass ich meiner Rolle als Tod in Salzburg im zweiten „Jedermann“-Jahr auch etwas melancholischere Züge gegeben habe. Aber das hat mit der Neubesetzung gemeinsam mit ­Nicholas Ofczarek zu tun.

NEWS: Bei Ihnen hört man einen eigen­willigen österreichischen Ton durch. Wie das? Sie sind doch erklärter Preuße.
Ben Becker: Es gibt viele Leute, die zu mir ­sagen: Geh, red Deutsch, du kannst den österreichischen Dialekt nicht. Aber wenn ich ihn höre, dann steckt er an, und ich komme in so ein Fantasieösterreichisch rein und entwickle einen merkwürdigen Märchenton. Aber ich meine das wirklich nicht böse.

NEWS: Wenn Sie an Salzburg denken: ­Beängstigt es Sie nicht, in der Enge der Berge wieder so viel Zeit zu verbringen? Wo doch im heimatlichen Berlin alles so weit und luftig ist?
Ben Becker: In Salzburg ist es wirklich zwiespältig für mich: Die Festspiele sind einerseits unheimlich schön und machen mir Spaß, andererseits machen sie mir auch Angst. Aber gerade diese Mischung ist es, die mich so anzieht und warum ich meine Finger nicht von Salzburg lassen kann.

Das ganze Interview lesen Sie jetzt in NEWS 27/2012!