Belgischer Gesundheitsminister beruhigt: Vogelgrippe-Verdacht war Fehlalarm

Patient war gerade von Türkei-Trip zurückgekehrt Entwarnung: Frau in Wien hatte nicht Vogelgrippe

Der in Belgien unter Vogelgrippe-Verdacht ins Krankenhaus eingelieferte Patient leidet nach ersten Erkenntnissen nicht an der gefährlichen Krankheit. Das erklärte Gesundheitsminister Rudy Demotte am Samstag in Brüssel. Ein Krankenhaus hatte den Fall zuvor gemeldet, weil sich der mit Grippesymptomen eingelieferte Kranke zuvor im Vogelgrippe-Gebiet in der Türkei aufgehalten hatte. Auch der Verdacht bei einer Frau in Wien, die am Freitag ins Kaiser Franz Josef-Spital eingeliefert worden war, hat sich nicht bestätigt.

Bei dem Mann handle es sich um einen russischstämmigen Journalisten, sagte Demotte. Der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge war der Mann am Donnerstag von einer Reportage im türkischen Vogelgrippe-Gebiet nach Belgien gereist.

Dutzende Verdachtsfälle in der Türkei
In der Türkei sind bereits Dutzende Verdachtsfälle aufgetreten. Bei 18 Menschen wurde eine Infektion mit dem potenziell tödlichen H5N1-Virus bestätigt. Bisher starben drei Menschen. Am Samstag wurde eine positiv auf Vogelgrippe getestete Frau nach ärztlicher Behandlung aus einem Krankenhaus in der Zentral-Türkei entlassen. Gulsen Yesiltirmak sei in der Stadt Sivas auf den für den Menschen gefährlichen Virus H5N1 behandelt worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi.

Bei allen 18 infizierten Personen in der Türkei gehen die Behörden davon aus, dass sie direkt in Kontakt mit infiziertem Geflügel gekommen waren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die türkische Regierung um Erlaubnis gebeten, ihre Untersuchungen auszudehnen. So sollen in den betroffenen Dörfern Blut und Schleimhautabstriche von Einwohnern getestet werden, um mögliche Übertragungswege und Risikogruppen zu identifizieren.

Beratungen über wirtschaftliche Folgen
Vertreter der türkischen Geflügelindustrie trafen am Samstag mit Ministern zusammen, um über Möglichkeiten zu sprechen, den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Seit der Bekanntgabe des ersten Vogelgrippe-Falls beim Menschen sei der Geflügelverkauf um 70 Prozent zurückgegangen, berichtete der Chef der zuständigen Gewerkschaft, Kemal Akman. Die Branche rechne mit Verlusten von umgerechnet rund 25 Millionen Euro pro Monat.

Betrugsfall in Vietnam
In Vietnam nutzten vier Beamte den Kampf gegen die Vogelgrippe offenbar, um sich die Taschen zu füllen: Die vier Männer aus Dai Dong bei Hanoi hätten die Zahl der dort vorsorglich geschlachteten Hühner viel zu hoch angegeben, teilte der örtliche Parteichef Tran Tien Ngot am Samstag mit. Ihr Ziel sei es gewesen, einen Teil der Entschädigungen einzustreichen, die eigentlich den Geflügelzüchtern für jedes getötete Tier zustehen. In Vietnam sind seit 2003 bereits 40 Menschen an der Vogelgrippe gestorben, mehr als in jedem anderen Land.

(apa/red)