Bei Treffen der Glaubensgemeinschaften: Schüssel kritisiert Holocaust-Karikaturen

Shakfeh: Kein Anlass für Demos in Österreich Karikaturen-Abdruck für Berichterstattung zulässig

Bei Treffen der Glaubensgemeinschaften: Schüssel kritisiert Holocaust-Karikaturen

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat die Veröffentlichung von Holocaust-Karikaturen im Iran verurteilt. Man verstehe die Sensibilität der moslemischen Welt, aber auch in der Reaktion auf die dänischen Mohammed-Karikaturen müsse "die Balance gefunden werden". "Gewaltanwendung" und "Symbolmissbrauch" und die Verletzung von anderen Tabus wie dem Holocaust seien zu verurteilen, so Schüssel nach einem Treffen mit Vertretern der christlichen, jüdischen und islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien.

Kritik an der späten Reaktion der EU auf die Proteste in islamischen Ländern wies der EU-Ratsvorsitzende zurück und verwies auf die Stellungnahme der EU-Außenminister vom 30. Jänner. Die Botschaft der EU sei "Verständnis für die Gefühle (der Moslems, Anm.), aber auch Beharren zu zeigen für unser Lebensmodell". An diesem Lebensmodell werde man "nicht rütteln lassen", sagte Schüssel und appellierte an die Vertreter der Religionsgemeinschaften, die Botschaft der Freiheit und Verantwortung auch zu predigen.

Gemeinsam mit den Vertretern der Religionsgemeinschaften lobte Schüssel die Gesprächskultur in Österreich als vorbildlich für Europa. Auch Außenministerin Ursula Plassnik betonte die Bedeutung des Dialogs der Kulturen, damit "aus dem Nebeneinander der Kulturen ein Miteinander wird". Dies werde Österreich als "sensiblen und glaubwürdigen Beitrag" auf EU-Ebene einbringen. Im Mai will Plassnik eine weitere Konferenz unter dem Titel "Dialog der Zivilisationen" abhalten. Eine erste Islam-Konferenz hatte es im November gegeben.

Der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Shakfeh, sieht angesichts der Gesprächsbereitschaft der Regierung keinen Anlass für Demonstrationen in Österreich. Regierung, Medien und Gesellschaft würden auf die islamische Glaubensgemeinschaft hören, so Shakfeh. "Ich habe keine Notwendigkeit für eine große Demonstration in Österreich gefunden." Die für April geplante Imame Konferenz in Wien soll sich ebenfalls mit dem Karikaturen-Streit befassen.

Shakfeh kritisierte zwar, dass "manche Reaktionen" auf die dänischen Karikaturen "weit überzogen" gewesen seien. In Europa habe es aber keine Ausschreitungen gegeben. Wenn die Muslime etwas kritisieren wollen, "dann sollen sie das mit Argumenten und Dialogbereitschaft dokumentieren und nicht mit Gewalt", appellierte Shakfeh. Mit dem Abdruck der Karikaturen durch österreichische Zeitungen hat Shakfeh übrigens kein Problem. Zur "Berichterstattung" über den Konflikt sei der Abdruck zulässig, sagte er am Rande des Treffens zur APA.

Der jüdische Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg betonte nach dem Treffen, dass die Pressefreiheit auch mit Verantwortung verbunden sei und betonte, "dass hier von allen Seiten Mäßigung einzufordern ist". Schließlich könne auch die Provokation eine Form der Beleidigung darstellen. Kardinal Christoph Schönborn lobte die "bewährte Gesprächskultur" Österreichs. Das Miteinander von verschiedenen Religionen und Kulturen "ist möglich und Österreich zeigt, dass es möglich ist".(apa)