BAWAG schnallt den Gürtel enger: Vorstand wird gestrafft und Beteiligungen verkauft

Cosmos, Stiefelkönig und ATV+ werden versilbert Neue Geschäftsordnung nach Refco-Kreditdebakel

Ewald Nowotny, neuer Chef der Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K., nimmt seine Um- und Rückbaupläne in Angriff. Für das zweite Halbjahr 2006 habe er eine Verkleinerung des Vorstands (derzeit acht Personen) ins Auge gefasst. Zudem beginnen die Gewerkschaftsbanker, ihre Beteiligungen zu versilbern: Die Elektrokette Cosmos sei als Erste dran, Stiefelkönig folge auf den Fuß. Für den Privatsender ATV+ fahndet die Bank erst nach Interessenten.

Als Folge des Refco-Kreditdebakels hatte die BAWAG Anfang dieser Woche wie berichtet eine neue Geschäftsordnung für Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen. Auch die Beteiligungsstrategie wurde überarbeitet: Für bankfremde Beteiligungen werden Verkäufe beziehungsweise strategische Partnerschaften sondiert. Man will sich auf das Kerngeschäft fokussieren. Details wollte die Bank erst nach der Billigung der Vorschläge nach dem Aufsichsrat am 6. April nennen.

Am weitesten fortgeschritten sein soll der Prozess bei Cosmos, der zweitgrößten österreichischen Elektrohandelskette (25 Filialen, Umsatz: 350 Mio. Euro). Die ersten Due Diligences seien fertig, es geht laut einem Bericht der Tageszeitung "Der Standard" nur noch um den Preis. "Verdient wird in der Branche zwar wenig, aber Cosmos verfügt über gute Standorte und hat mit seinem Marktanteil einen strategischen Wert", wird ein Involvierter zitiert, der allerdings davon ausgeht, dass die BAWAG aus dem Erlös "nicht reich" werde. In der BAWAG wurde keinerlei Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht abgegeben.

Neben zwei internationalen Interessenten zeigen sich auch Josef Taus (Libro) und der Sanierer und Investor Erhard Grossnig kaufbereit, der Deal soll den Informationen zufolge im Frühling über die Bühne sein.

Stiefelkönig-Preis bei 30 Millionen
Mehr "Lack" dürfte der Verkauf der Schuhhandelskette Stiefelkönig machen. Das Unternehmen hat den Turn-around geschafft, dürfte mit einem kolportierten zarten Gewinn von 4 Mio. Euro aus dem Vorjahr gegangen sein. Als Kaufpreis sollten um die 30 Mio. Euro drin sein, heißt es. Appetit wird auch der deutschen Kette Deichmann nachgesagt.

Strategische Interessenten für ATV gesucht
Verabschieden werde sich die BAWAG auch von ihren 40 Prozent am Privatsender ATV+, in den sie bisher, wie der "Standard" nach vorsichtigen Schätzungen schreibt, rund 45 Mio. Euro gesteckt haben soll. Käufer würden ob der bescheidenen Marktanteile und der Übermacht des ORF aber nur mühsam zu finden sein, so die Zeitung. Gesucht werde daher nach "strategischen" Interessenten, denen es nicht ums Geld gehe, sondern die ihren Fuß ins Privatfernsehen setzen wollen.

"Totgeschwiegen" wird laut einem Bank-Aufsichtsrat Bösendorfer, das "kulturelle Investment" der Bank. Die Klaviermanufaktur spielt nachhaltig Verluste ein. Ein Verkauf wird nach Branchenspekulationen inzwischen nicht mehr ausgeschlossen - es fehle aber der Investor. (apa/red)