Barbara Salesch hat genug. Nach 12 Jahren, 2356 Folgen und 17.000 Darstellern hat Deutschlands dienstälteste TV-Richterin nun ihre letzte Sendung auf SAT.1 abgedreht. Die 61-Jährige will sich jetzt vor allem um ihre große Leidenschaft, die Kunst, kümmern.
Die Sendung "Richterin Barbara Salesch" auf SAT.1 startete am 27. September 1999 zunächst als "Schiedsgericht" - mit echten Fällen und echten Urteilen. Denkwürdiges Highlight war damals der Fall um Regina Zindler aus Ostdeutschland, die sich über den "Knallerbsenstrauch" ihres Nachbarn echauffierte, weil der angeblich ihren Maschendrahtzaun beschädige. Der findige Stefan Raab machte daraus einen Charthit, der Rest ist Geschichte.
Mord und Totschlag als Quotenbringer
Ein Jahr später wurde das Konzept von "Barbara Salesch" allerdings auf fiktive Mord- und Totschlagfälle umgestellt. Die Quoten schossen daraufhin schnell in die Höhe, TV-Gerichtsshows wurden bald zum Standard im Nachmittagsprogramm der deutschen Privatsender. Zuletzt soll die Sendung zwar nicht mehr so toll, aber immer noch passabel gelaufen sein, heißt es in einem Bericht von "Spiegel Online". Und: "Ich werde demnächst 62, da rennt die Zeit ein bisschen weg", begründet Salesch ihr TV-Aus.
Salesch will sich jetzt wieder ihrer großen Leidenschaft, der Kunst, widmen. Große Wehmut will sie nicht aufkommen lassen: "Jetzt beginnt etwas Neues". Seit Oktober studiert die Juristin, die vor ihrem Wechsel ins Showgeschäft Vorsitzende Richterin am Landgericht Hamburg war, Farbmalerei an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Der Bildhauerei sei sie aber schon während ihrer Zeit am Gericht in Hamburg verfallen.
In der letzten Sendung lässt es Salesch noch einmal richtig krachen: Sie greift zur Säge und zerlegt ihren Richtertisch. Jeder Gast darf sich noch ein Stück Holz aus dem Tisch schneiden und es sich von Salesch signieren lassen. Dann folgt noch eine kleine Party im Verhandlungssaal, das war's. "Die Verhandlung ist geschlossen", sagt Salesch im gewohnt nüchternen Tonfall zum Ende ihrer TV-Ära.
Weiterführender Link:
Bericht bei "Spiegel Online"
