Ein neuer großer Bankenskandal bahnt sich an. Die auf Asien spezialisierte britische Großbank Standard Chartered soll Milliardengeschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Deswegen droht dem Bankhaus nun ein Lizenzentzug in den USA, was für das Finanzunternehmen eine Katastrophe wäre.
Die auf Asien konzentrierte britische Großbank Standard Chartered steht vor großen rechtlichen Schwierigkeiten in Amerika. Das New York State Departement of Financial Services (DFS) leitete ein Untersuchung gegen eine 100-prozentige Tochter der Standard Chartered PlC wegen Verstoßes gegen das Bankengesetz ein. Über fast zehn Jahre habe die Bank rund 60.000 geheime und vor der Bankenaufsicht verborgene Transaktionen im Wert von fast 202 Mrd. Euro mit der Regierung des Iran ausgeführt, teilte das DFS am Montagabend auf seiner Internetseite mit. Standard Chartered drohe nun der Verlust ihrer Zulassung im Staat New York.
Wegen des drohenden Verlusts der Banklizenz in den USA haben sich die Anleger in Scharen von ihren Standard-Chartered-Aktien getrennt. Die in Hongkong notierten Aktien des britischen Geldhauses verloren gegen den Markttrend um mehr als 7 Prozent. Bereits in London waren die Titel am Montagabend um 6 Prozent eingebrochen. Anleger reagierten mit den Verkäufen auf die Ereignisse in den USA: Dort droht die New Yorker Banken-Aufsicht dem Institut damit, die US-Lizenz zu entziehen. Für das Bankhaus wäre der Verlust der Lizenz desaströs. Die Bank verlöre damit den direkten Zugang zum US-Markt.
Bank will unschuldig sein
Am Montag hatte die Bank in Reaktion auf die Vorwürfe der Regulierungsbehörde mitgeteilt, Standard Chartered sei der Ansicht, "die Einschätzung der Behörde stellt kein umfassendes und akkurates Bild der Fakten dar". Sie weise die Darstellung der US-Aufsichtsbehörde über die Aktivitäten des Bankhauses zurück, erklärte Unternehmenschefin Annemarie Durbin.
Standard Chartered ist damit bereits die dritte britische Großbank, die in den USA jüngst ins Visier der Behörden geraten ist. Barclays erhielt dort im Zusammenhang mit dem Libor-Manipulationsskandal eine hohe Geldstrafe. Die Großbank HSBC geriet wegen verdächtiger Transaktionen, unter anderem in Mexiko, in die Kritik.
Noch Anfang Juli hatte die Bank gejubelt Kurs auf ein neues Rekordjahr zu halten. Nach einem überraschend starken Gewinnplus in den ersten sechs Monaten erwartete das Management auch für das Gesamtjahr deutliche Zuwächse. Eine Einschätzung die nun wohl massiv in Zweifel gezogen wird.