Ballzauberer oder doch Handball-Exoten?
Österreicher eröffnen WM gegen Brasilien

Teilnehmer aus Brasilien als unbekannte Größe EM keine Eintagsfliege: 'Unser Anspruch ist gestiegen'

Ballzauberer oder doch Handball-Exoten?
Österreicher eröffnen WM gegen Brasilien © Bild: GEPA/Djorovic

Österreichs Handball-Männer bestreiten heute (21.30 Uhr/live ORF Sport Plus) in Schweden ihr erstes WM-Spiel seit 1993. Um das selbst gesteckte Ziel Hauptrunde zu erreichen, ist ein Sieg zum Auftakt der Gruppe B in Norrköping gegen Brasilien fast Pflicht. "Wir dürfen Brasilien auf keinen Fall unterschätzen. Auch wenn viele Leute glauben, dass Brasilianer nur Fußballspielen können", meinte Österreichs Teamchef Magnus Andersson.

Der Schwede vergleicht die Südamerikaner mit den Portugiesen, die vergangene Woche zweimal Testspielgegner Österreichs waren. Sie wurden vom EM-Neunten Österreich zweimal nur hauchdünn mit einem Tor Differenz (30:29, 34:33) besiegt. "Die Brasilianer sind sicher nicht schwächer einzuschätzen als Portugal, sie sind technisch sehr stark", sagte Andersson, der vor allem auf eine stärkere Defensive als in den Tests gegen Portugal und Serbien (27:39) hofft.

Brasilianer körperlich stärker?
Brasilien hat in den letzten Spielen vor der WM mit einem Sieg gegen Norwegen aufgezeigt, allerdings waren die Norweger dabei ohne zahlreiche Stammspieler angetreten. Die restlichen Partien gegen Schweden, Tunesien und Dänemark wurden - teils recht deutlich - verloren. "Taktisch sind wir sicher überlegen, aber körperlich sind die Brasilianer vielleicht sogar über uns zu stellen. Es wird etwas Gewöhnungsbedürftiges und Unberechenbares auf uns zukommen", wies Kapitän Viktor Szilagyi auf die Explosivität und Schnelligkeit der Brasilianer hin.

Die Südamerikaner als Auftaktgegner sieht der ÖHB-Regisseur eher als Nachteil. "Weil Brasilien schon oft überraschend stark in ein Turnier gestartet ist, danach aber stark abgebaut hat", so Szilagyi, der den WM-Erfolg nicht nur vom Start abhängig machen will: "Wenn wir gegen Brasilien gewinnen, haben wir noch nichts geschafft. Wenn wir verlieren, ist auch noch nichts vorbei."

"Unser eigener Anspruch ist gestiegen"
Flügel-Flitzer Konrad Wilczynski fiebert bereits wie seine Kollegen dem Turnier-Start entgegen. "Nervös bin ich nicht, aber angespannt. Unser eigener Anspruch ist gestiegen. Wir wollen bestätigen, dass 2010 keine Eintagsfliege war. Wir wollen längerfristig da oben mitspielen und den Handballsport in Österreich weiter pushen", forderte der Berlin-Legionär.

2010 war für die Österreichs Handball-Männer das beste Jahr aller Zeiten: neunter EM-Rang, erfolgreiche WM-Qualifikation und Traumstart in die EM-Qualifikation. Von einer WM-Medaille will Wilczynski aber klarerweise dennoch nicht sprechen, "das wäre arrogant". Der Aufstieg soll es aber schon werden. "Und dann schauen wir von Spiel zu Spiel weiter."

Schlag auf Schlag
Die unmittelbare WM-Vorbereitung haben die Österreicher nach ihrer Ankunft in Schweden am Dienstag in Motala verbracht, am Donnerstag zogen sie dann in ihr WM-Hauptquartier in Linköping um. Nicht einmal 20 Stunden nach Ende des Brasilien-Spiels wird am Samstag um 18.45 Uhr bereits das nächste Österreich-Match gegen Japan angepfiffen werden. Andersson ist darüber alles andere als erfreut. Nach einer schlaflosen Nacht und Videostudium der eigenen Partie sowie des Spiels der Japaner gegen Norwegen wird Andersson versuchen, sein Team aufs Überspringen der nächsten Hürde einzustellen.

ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer versprühte vor Turnierstart Zuversicht. "Ich bin Optimist und glaube, dass wir sehr viel erreichen können. Das Ziel ist eindeutig die Hauptrunde", so Hofbauer, der zu seinen Wünschen meinte: "Ich wünsche mir, dass wir Weltmeister werden. Aber da nimmt mich natürlich niemand ernst."

(apa/red)