Im Kino von

Mila Kunis hat genug vom
perfekten Mutter-Dasein

"Bad Moms" ist ein gelungener, satirischer Blick auf die Besonderheiten heutiger Eltern

BAd Moms © Bild: 2016 STX Productions, LLC. All Rights Reserved.

Ohne Vorgängerfilme wie "Brautalarm" gebe es jetzt vielleicht keine "Bad Moms": eine Geschichte um drei Frauen, die genug haben von all den Anforderungen und Aufgaben, unter denen so manch moderne Mutter zu ächzen hat. Sie beenden ihr Dasein als Super Moms, um fortan als "Bad Moms" mal so richtig die Sau rauszulassen.

Amys (Mila Kunis) Tagesablauf, von den Machern in einer rasanten Sequenz montiert, macht einen ganz schwindlig - selbst im Kinosessel. Alles läuft schief an diesem Horror-Tag: Nicht nur, dass die hübsche 32-Jährige, die in einer vermeintlich arbeitnehmerfreundlichen Kaffee-Firma vor sich hinschuftet, sich mit ihren Kindern und einem maladen Hund herumschlagen muss. Sie erscheint zu spät zu einem Meeting und sieht sich auch noch genötigt, sich von ihrem nichtsnutzigen Mann zu trennen, nachdem sie diesen beim Online-Sex erwischt hat.

Genug von der falschen Fassade

Doch damit nicht genug: Am Nachmittag muss sich die bereits völlig erledigte Amy auch noch von der Übermutter schlechthin, der impertinenten Gwendolyn (Christina Applegate) beim Elterntreff belehren lassen. Vor den versammelten Müttern verkündet Amy schließlich, dass es ihr nun reicht, sie genug habe von der falschen Fassade der ach so perfekten Mutter. Den Tag beendet sie in einer Bar, wo sie sich mit Leidensgenossinnen besäuft und verbündet: Ab sofort verstehen sich die drei als "Bad Moms", und sowohl deren Männer als auch Kinder können sich auf was gefasst machen.

BAd Moms
© 2016 STX Productions, LLC. All Rights Reserved.

Satirischer Blick auf Elternschaft gelingt

Glücklicherweise ist "Bad Moms" nicht einfach nur die weibliche Version von "Hangover" - der bisher dreiteiligen, feuchtfröhlichen Erfolgsserie um ein chaotisches Männertrio, mit dem sich das Autoren-Duo Jon Lucas und Scott Moore einen Namen gemacht hat. Den Machern von "Bad Moms", die bereits seit mehr als 15 Jahren als Team zusammenarbeiten, gelingt ein satirischer Blick auf einige Besonderheiten zeitgenössischer Elternschaft: von überfürsorglichen Helikopter-Eltern bis zu ewig gestressten, weil schon im Schulalter auf Karriere gepolten Kids.

"Bad Moms" atmet den anarchischen Geist der US-Komödie "Brautalarm", ist jedoch weniger vulgär und grobschlächtig. Wer "Hangover" und "Brautalarm" mochte, kommt hier sicher auf seine Kosten; auch der Einfluss der Komödien von Judd Apatow (etwa "Immer Ärger mit 40") ist an einigen Stellen spürbar.

BAd Moms
© 2016 STX Productions, LLC. All Rights Reserved.

Kunis als famose ambivalente Mama

Ein Gutteil der Anziehungskraft von "Bad Moms" liegt an der wunderbaren Besetzung: Vor allem Mila Kunis ("Freunde mit gewissen Vorzügen") sticht heraus. Im Kino hat man sie eine Weile nicht gesehen, dies ist der erste Auftritt nach der Geburt ihrer Tochter. Ihre Rolle jedenfalls der so aparten wie überforderten Mutter hat Kunis mit Glaubwürdigkeit und Verve ausgestattet. Famos weiß Kunis die ambivalenten Gefühle ihrer Amy darzustellen: den Wunsch nach Freiheit einerseits und die unendlich große Liebe, die sie für ihre Kinder empfindet andererseits.

Flankiert wird sie von zwei weniger bekannten, jedoch nicht weniger einnehmenden Schauspielerinnen: Kathryn Hahn ("Wir sind die Millers") begeistert als prollige Anti-Mutter; wenn sie in einer Szene ihrem Filius mehr gestammelt denn gesprochen ihre Liebe zusichert, dann ist das umso rührender. Die leicht naive, einst ganz ihrem Mann untertänige Kiki schließlich wird wunderbar von Kristen Bell ("Veronica Mars") gespielt. Wenn die drei "Bad Moms" losziehen und etwa, so in einer ersten gemeinsamen Aktion, einen Supermarkt zerlegen, macht das einen Heidenspaß.

Lustig aber auch bewegend

So ist "Bad Moms" ein unterhaltsamer, meist sehr amüsanter sowie - vielleicht ist das die größte Leistung des Films - bei allem Humor und Getöse auch immer wieder bewegender Film. Und das bis in den unbedingt sehenswerten Abspann hinein. Dort sind die Hauptdarstellerinnen mit jeweils der eigenen Mutter zu sehen. In kurzen Szenen plaudern Tochter und Mutter aus dem Nähkästchen; es wird gelacht, es fließen auch Tränen.

Mit diesem Ende unterstreichen Jon Lucas und Scott Moore (beide haben selbst je zwei Kinder), dass es ihnen bei "Bad Moms" offensichtlich um mehr geht, als nur darum, 100 kurzweilige Komödienminuten auf die Leinwand zu zaubern. "Bad Moms" ist mehr als purer Eskapismus; mit ihrem Kampf der Mütter verbeugen sich die Regisseure, sowie letztlich auch alle Darsteller des Films, vor den gebeutelten Müttern dieser Welt.

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