Auswirkungen der Finanzkrise: Weltweit werden 20 Millionen Arbeitsplätze vernichtet

Zahl der Arbeitslosen steigt erstmals über 200 Mio. Finanzwirtschaft soll sich Schlüsselaufgabe widmen

Auswirkungen der Finanzkrise: Weltweit werden 20 Millionen Arbeitsplätze vernichtet © Bild: APA/DPA/Woitas

Die Krise an den Finanzmärkten ist in aller Munde. Milliarden werden an den Börsen weltweit vernichtet. Doch wie wirkt sich die Krise auf die Arbeitsmarktsituation aus? Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werden bis Ende 2009 weltweit 20 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Die Zahl der Arbeitslosen werde auf 210 Millionen von jetzt 190 Millionen steigen und damit erstmals über die 200-Millionen-Marke klettern.

Besonders betroffen seien das Bauwesen, der Immobilien- und der Finanzsektor sowie die Autoindustrie. Der Verlust von Arbeitsplätzen werde noch größer ausfallen, wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognosen weiter nach unten revidieren sollte, warnte ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Keine "Schrottpolitik"
Somavia kündigte eine breit angelegte Debatte mit dem Ziel der Förderung der Realwirtschaft und der Schaffung von Arbeitsplätzen an. "Es wäre tragisch, auf eine Krise um Schrotthypotheken mit einer Schrottpolitik zu reagieren", sagte der ILO-Chef, dessen UN-Unterorganisation Regierungen und Tarifparteien umfasst. Der prognostizierte Rückgang der Arbeitsplätze ist regional nicht gegliedert. Somavia zufolge werden Länder mit großen Binnenmärkten und geringer Exportabhängigkeit die Krise besser meistern. Er nannte als Beispiel China, dessen Wirtschaft nur einen Ausfuhranteil von elf Prozent hat.

Hilfe auf einzelne Branchen konzentrieren
Der ILO-Generalsekretär bezeichnete es als alarmierend, dass die weltweite Arbeitslosigkeit trotz des starken Wirtschaftswachstums zwischen 2002 und 2007 unverändert geblieben sei. Hilfen für die Wirtschaft, mit denen eine Rezession verhindert oder abgemildert werden sollen, müssten sich auf beschäftigungsintensive Branchen konzentrieren.

Geld wieder für Unternehmen verwenden
Die Finanzwirtschaft sollte auf ihre Schlüsselaufgabe, die Bereitstellung von Geld für Unternehmen, zurückgeführt werden. Seit 1980 sei der Anteil der Finanzbrache an den Gewinnen von US-Unternehmen auf 41 Prozent von fünf Prozent in die Höhe geschossen. Das habe dazu geführt, dass Banken lieber in Finanzpapiere statt in die Produktion investiert hätten. "So begann das System, Mittel aus der Realwirtschaft abzuziehen", sagte Somavia. (apa/red)

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