Austro Control von

Out of Control

Schwere Vorwürfe gegen die Luftfahrtbehörde trüben die Erfolgsbilanz

Austro Control - Out of Control © Bild: APA/Pfarrhofer

Anfang Mai legte die Austro Control Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung ihre Geschäftsbilanz für 2011 vor. Die beiden Vorstandsdirektoren Heinz Sommerbauer und Johann Zemsky sprachen vom bislang erfolgreichsten Jahr und präsentierten die Eckpfeiler Sicherheit, Kosteneffizienz, Pünktlichkeit und Umwelt. Einige ihrer Kunden sehen dies allerdings diametral anders.

In einem Dossier, das NEWS vorliegt, stapeln sich Beschwerden, Vorwürfe und konkrete Fälle. Luftfahrtunternehmer zeichnen das Bild einer viel zu teuren, sehr langsam und in Einzelfällen willkürlich agierenden Behörde. Eine Sichtweise, die Markus Pohanka, der bildschirmbekannte Pressesprecher der Austro Control, NEWS gegenüber schärfstens zurückweist.

Spagat wegen Doppelrolle.
Im Zuge der Recherchen hat NEWS mit zahlreichen Luftfahrtunternehmern gesprochen und wurde dabei immer wieder mit ähnlichen Vorwürfen gegenüber Austro Control konfrontiert. Es handelt sich bei den Beschwerden um keine Einzelmeinung, auch wenn fast alle Gesprächspartner darauf bestanden haben, anonym zu bleiben.

Teilweise ist das Konfliktpotenzial in der Historie der Austro Control begründet, die 1994 aus dem Amt für Zivilluftfahrt hervorging. Privatwirtschaftlich organisiert, muss die Gesellschaft einerseits hoheitliche Behördenaufgaben erfüllen, andererseits ein effizienter Dienstleister sein und sich am freien Markt bewähren. Diese Doppelrolle mag nicht immer einfach sein. So wird die Vermietung ihres Flugsimulators auch als Konkurrenz gesehen. Nicht so von der Austro Control.

Inspektoren mit Nebenjob.
Die Nebenbeschäftigung von Austro-Control-Mitarbeitern, vor allem von Fluginspektoren, ist offenbar ein latenter Konfliktherd. Die Inspektoren prüfen als Behörde, ob im Flugbetrieb alle Auflagen eingehalten werden bzw. die nötigen Zulassungen von Mensch und Gerät vorhanden sind. Im Endeffekt haben sie die Macht, zu entscheiden, ob die Flugzeuge am Boden bleiben.

Für Unmut sorgt, wenn ein Luftfahrtinspektor für das Unternehmen, das er kontrolliert, nebenbei als Pilot tätig ist. „Solche Unvereinbarkeiten gibt es nicht“, weist Austro-Control-Pressesprecher Pohanka den Vorwurf zurück. „Unsere Fluginspektoren müssen größtmögliche Kompetenz haben und brauchen deshalb Praxis als Piloten“, so Pohanka. Darum werden die Nebenjobs auch zugelassen und gefördert. „Aber jede Nebenbeschäftigung ist meldepflichtig und wird überprüft“, so der Sprecher. Die Prüfung erfolge intern durch Abteilungsleiter und den Vorstand.

Ranghoher Ausnahmefall.
Was aber ist mit dem Fall des ranghohen Inspektors Horst Hasenhütl, der für die AUA als Pilot geflogen ist und gleichzeitig Fluginspektor für die AUA war? „Das war eine Ausnahme, weil wir vor Jahren zu wenig Fluginspektoren hatten. Es ist Vergangenheit“, so Pohanka. Einzelne Luftfahrtunternehmen sehen sich benachteiligt, wenn der für sie zuständiger Fluginspektor nebenbei für ihren schärfsten Konkurrenten fliegt. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass die Auflagen einmal sehr streng, dann wieder lockerer ausgelegt werden. „Das kann nicht sein“, dementiert Pohanka umgehend. „Wir haben ein sehr genaues Regelwerk, da gibt es keinen Interpretationsspielraum. Wir handeln transparent und nachvollziehbar“, meint die Austro Control.

Vermasseltes Geschäft.
Wenig nachvollziehbar findet es allerdings Flugunternehmer Hans Grossmann, warum ihm im Vorjahr ein gutes Geschäft durch die Lappen gegangen ist. „Ich hatte im Dezember zwei neue Flugzeuge zur Zulassung angemeldet, die ein Kunde bei mir einstellen wollte. Obwohl ich Flugzeuge desselben Typs bereits betreibe, hat mir die Austro Control die Bewilligung erst im April erteilt. Da war der Kunde bereits wieder abgesprungen. Wer kann es sich leisten, zwei je 15 Millionen Dollar teure Flieger ein halbes Jahr lang stehen zu lassen?“, so der verärgerte Flugunternehmer gegenüber NEWS. Er meint, der zuständige Techniker hätte nur nach Deutschland fliegen müssen, um die Flugzeuge abzunehmen.

„Wenn Dokumente fehlen, kann die Zulassung nicht erteilt werden“, entgegnet Pohanka. „Wir fragen sicher nach und sind um größtmögliches Kundenservice bemüht. Sobald alle Dokumente da sind, gibt es die Zulassung“, versichert der Pressesprecher. Allerdings werden noch andere Einzelfälle geschildert, wie jene An- und Abmeldung, die drei Monate gedauert haben soll, weil ein Akt nicht weitergereicht worden sei. Pohanka dementiert.

Das Bild einer nicht effizienten Behörde zeichnet auch jener Salzburger Flugbetriebsleiter, der wegen einer Beanstandung mit seinem Geschäftsführer zur Austro Control nach Wien beordert wurde. Bei dem Gespräch habe sich herausgestellt, dass entgegen der Beanstandung alle Fuel-Checks auflagengemäß durchgeführt worden seien. Nur habe der Inspektor die Unterlagen nicht genau geprüft.

Langsam und teuer.
Ein Vorwurf, der sich standig wiederholt: Die Austro Control arbeite in ihrer Behordenfunktion (das betrifft nicht den zweiten Bereich der Flugsicherung, Anm.) zu langsam und sei zu teuer. Ein Vorwurf, den man bei der Austro Control gar nicht verstehen kann. "Wir fuhren standig Kundenbefragungen durch. Dabei wird uns eine sehr hohe und sogar steigende Zufriedenheit attestiert", sagt Pohanka. Dass die Austro Control im Vergleich zu deutschen Behoren dreimal so langsam und dreimal so teuer sei, dementiert er scharfstens. Die Gebuhren wurden ohnehin nur ein Drittel der Kosten decken.

Gesprachsbedarf scheint gegeben. Eine Eskalation, wie 2010 um die Zulassung von Rettungshubschraubern, sollte vermieden werden. Damals hatte das Land Salzburg die Austro Control angezeigt. Erst das Verkehrsministerium verordnete per Weisung klarende Gesprache. 

Kommentare

am freien Markt bewähren? Mir steigt als Privtwirtschaftler die Galle hoch. Wo ist der Mitbewerb von Austrocontrol, zu dem ich wechseln könnte? Zur deutschen Flugsicherung darf ich als Pilot zB nicht, dort wäre die Erlangung des Englisch Sprachlevels 4 samt Eintrag in die Lizenz um den Faktor 10 billiger.
Austrocontrol ist ein Monopolistische Behörde auch wenn man eine GmbH darüberstülpt, das hat Null und NIchts mit Marktwirtschaft zu tun!
Der Eintrag Nachtsichtflug, das sind 3 Buchstaben und Ausdrucken eines Papierblattels (ohne Foto, ohne allem) mit einer Beabeitungsdauer von 2 MInuten kostet EUR 187,-- Man rechne sich selbst den Stundensatz der Ineffizienz aus! Wo ist hier der freie Markt?

Hawker melden

Zweischneidig! Ich erlaube mir festzuhalten, dass die meisten Mitarbeiter im Flugbetrieb (Controller & Co) einen ganz tollen Job machen! Speziell im Süden finden wir bis auf ganz, ganz wenige - einfach nur Super-Jungs & Mädls am Tower! Was stinkt sind die Auftritte der "Jump-Seat" Auditoren und "Bewilliger", die glauben Sie hätten die Luftfahrt erfunden und lassen die persönliche Befindlichkeit raushängen! Dazu kommt der Kostenanstieg in der GA und der Papiergram, der nicht unbedingt zur Flugsicherheit beiträgt! 500 ft über den Hudson, VFR - das geht alles liebe Behörde, nur nicht engstirnig denken! Keep it Simple - Keep it Going!

Schorlinde melden

Re: Zweischneidig! Absolut d´accord, die Türmer und Fluginformationsserviceleute von 124,4 sind echte Dienstleister und Kollegen geworden. Vor den Vorhang!

Austro Control hat zu viel Geld... ..wenn die Austro Control zu einem Sommerfest den Reinhard Fendrich einladen muss, um das Geld, dass ihr zur Verfügung steht, aufzubrauchen (kein Witz), dann ist doch klar, warum die so teuer sind, oder?

Austro Control Wie wäre es mit Transparenz ? Wer nichts zu fürchten hat kann die Karten ja auf den Tisch legen und von unabhängigen Prüfern feststellen lassen ob diese Behörde tatsächlich so langsam und damit teuer ist und ihren Kunden dadurch noch mehr Kosten verursacht. und die beschriebenen Unvereinbarkeiten sollten auch hinsichtlich möglicher Korruptionsanfälligkeit untersucht werden.

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