Ausländer bekommen in Österreich oft zu schlechte Jobs: Potenzial zu wenig genutzt

Hoch bei jenen, die keine Staatsbürgerschaft haben PLUS: Drittel der Wr. Schüler andere Muttersprache

Das berufliche Potenzial von Migranten bleibt in Österreich weitgehend ungenutzt: Den höchsten Anteil an Berufstätigen, die unter ihrer Qualifikation arbeiten, findet man mit rund 45 Prozent bei Personen, die weder in Österreich geboren wurden noch die österreichische Staatsangehörigkeit besitzen.

Auf dieses Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für soziale Innovation, basierend auf den Volkszählungsdaten 2001 der Statistik Austria. Studienautor August Gächter vertritt die These, dass in Österreich der Aufstieg von Migranten mit schlechten Jobs nicht gewollt sei.

Den zweithöchsten Anteil an Personen, die in Jobs unter ihrer Qualifikation arbeiten, findet man bei Migranten, die zwar in Österreich geboren wurden, aber nicht die Staatsbürgerschaft besitzen - und zwar 30,5 Prozent der Berufstätigen mit Lehre oder höherem Abschluss. Österreichische Staatsbürger, die auch in der Alpenrepublik geboren wurden, stellen mit nur rund 17 Prozent die kleinste Gruppe der eher schlecht qualifizierten Berufstätigen.

Insgesamt verrichten laut Studie 586.000 Berufstätige Tätigkeiten unter ihrem Ausbildungsniveau - das sind 19 Prozent aller Berufstätigen in Österreich.

Der Aufstieg in die Mittelschicht sei in Österreich das entscheidende Merkmal von Integration, erläutert Gächter. Aufstieg finde aber bestenfalls im Generationenwechsel statt, selten im Lebenslauf eines Migranten. Die Gründe sind vielfältig. Die Diskriminierung nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auf dem gesamten Arbeitsmarkt - u.a. auch auf Grund von nicht akzentfreiem Deutsch - werde von staatlicher Seite nicht ernst genommen. "Das ist eigentlich der springende Punkt. Warum spielt der Vorarlberger Akzent keine Rolle, der türkische allerdings sehr wohl".

Ein Drittel der Wr. Schüler mit anderer Muttersprache
Fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache geht in Wien in die Schule, wie Daten des Bildungsministeriums für 2005 zeigen. Demnach gibt es in ganz Österreich rund 157.400 Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, 70.400 bzw. 45 Prozent davon allein in der Bundeshauptstadt. Insgesamt hat ein Drittel aller Wiener Schüler eine andere Muttersprache als Deutsch.

Über ganz Österreich gerechnet sind 13 Prozent aller Schüler nichtdeutscher Muttersprache. Den höchsten Wert hat Wien (32,8 Prozent), gefolgt von Vorarlberg mit 13,9 Prozent, Salzburg (10,8 Prozent), OÖ (9,9 Prozent), Burgenland (9,2 Prozent), NÖ (8,3 Prozent), Tirol (8,1 Prozent), Kärnten (7,3 Prozent) und Steiermark (6,2 Prozent).

Die Werte für die Volksschulen sind sowohl für Gesamt-Österreich (17,4 Prozent) als auch in sämtlichen Bundesländern höher als über sämtliche Schulstufen gerechnet. Im Volksschulbereich haben etwa in Wien 43,4 Prozent aller Kinder eine andere Muttersprache als Deutsch. In Vorarlberg sind es 18,5 Prozent, in Salzburg 15,4, in OÖ 14,2, in Tirol 12,4, in NÖ 10,5, im Burgenland 10,3, in Kärnten neun und in der Steiermark 8,7 Prozent.

Etwas niedriger - abgesehen von Wien - sind die Werte in den Hauptschulen, wo österreichweit 15,1 Prozent aller Schüler nichtdeutscher Muttersprache sind. In Wien liegt der Wert bei 50,6 Prozent, in Vorarlberg bei 17,5, in Salzburg bei 12,9, in OÖ bei 12,1, im Burgenland bei 9,9, in Tirol bei 9,3, in NÖ bei 8,6, in Kärnten bei 7,1 und in der Steiermark bei 6,5 Prozent.

An den AHS haben zehn Prozent aller Schüler eine andere Muttersprache als Deutsch. Auch hier weist Wien mit 21,6 Prozent den höchsten Wert auf, gefolgt vom Burgenland mit 10,1 Prozent und Kärnten mit 6,9 Prozent. Alle anderen Bundesländer liegen bei Werten um fünf Prozent.