Aung San Suu Kyi von

Verspätete Dankesrede

Burmesische Demokratie-Ikone hält Rede für Friedensnobelpreis nach 21 Jahren

Aung San Suu Kyi - Verspätete Dankesrede © Bild: APA/EPA

21 Jahre nach der Zuerkennung des Friedensnobelpreises hat die Symbolfigur der burmesischen Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, am Samstag in Oslo ihren Nobel-Vortrag nachholen können. Die 66-Jährige, die nahezu zwei Jahrzehnte in Haft oder unter Hausarrest verbringen musste, forderte zu koordinierter internationaler Hilfe bei den Reformen in ihrer Heimat auf.

Sie sei "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der demokratischen Reformen in ihrem Land, das fünfzig Jahre von einer Militärdiktatur beherrscht wurde. Zur Bedeutung des Friedensnobelpreises während der langen Isolierung durch die Militärmachthaber sagte Suu Kyi in Anwesenheit des norwegischen Königspaares, König Harald V. und Königin Sonja, im Rathaus von Oslo: "Der Preis hat die Aufmerksamkeit der Welt auf den Kampf für Demokratie und Menschenrechte in Burma gelenkt. Wir wurden vor dem Vergessen bewahrt."

"Moralische Führungsgestalt für die ganze Welt"
Der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, der frühere Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, nannte Suu Kyi in seiner Laudatio eine "moralische Führungsgestalt für die ganze Welt." Sie habe in zwei Jahrzehnten persönlicher und politischer Verfolgung weder Bitterkeit noch Feindseligkeit entwickelt. Jagland: "Wenige haben mehr dafür geleistet, dass die Welt ein besserer Platz für uns alle wird."

Am 10. Dezember 1991 hatte die burmesische Demokratieführerin die Auszeichnung nicht selbst in Oslo in Empfang nehmen können. Sie wurde von der damaligen Militärjunta unter Hausarrest gestellt und in der norwegischen Hauptstadt von ihrem 1999 verstorbenen Ehemann, dem britischen Universitätsprofessor Michael Aris, und den beiden Söhnen Alexander und Kim vertreten.

Seit den Parlamentsnachwahlen in Burma im vergangenen April kann sie ungehindert als Chefin der Opposition wirken. Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie hatte 1990 Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die Machtübergabe verweigert und das Wahlergebnis annulliert.