Auch Kanzler äußert sich zu Doping-Razzia:
'Empörend, dass Mayer sich hier präsentiert'

Schüssel mit klarer Doping-Aussage: 'Wer dopt, fliegt' Auch Wallner verurteilt Verhalten von Mayer

Die Doping-Razzia-Affäre und das Erscheinen Walter Mayers bei den Olympischen Spielen beschäftigen nun auch die hohe Politik. Bundeskanzler Schüssel sprach sich strikt gegen jede Form des Dopings aus und verurteilte auch das Auftauchen Mayers in Turin. Ähnlich äußerte sich ÖOC-Präsident Leo Wallner.

Der Kommentar des Bundeskanzlers und Sportministers im ORF-Olympiastudio im Wortlaut: "Da gibt es Dutzende österreichische Athleten, die bereiten sich ihr ganzes Leben auf diesen Höhepunkt vor, und dann geschieht so etwas. Und jetzt muss ich ganz offen sagen, ich finde es eigentlich empörend, dass jemand wie Walter Mayer, der von den Olympischen Spielen bis 2010 ausgeschlossen wurde, und das weiß jeder, sich dann hier präsentiert und damit die Mannschaft ins Zwielicht bringt. Das haben die Sportler nicht verdient.

Die Behandlung durch die Carabineri ist eine Sache, das ist nicht in Ordnung in der Nacht vor dem Wettkampf junge Sportler aus dem Bett zu holen und wie Verbrecher quasi fünf Stunden lang zu verhören. Man muss die Sportler schützen. Und zum Schutz gehört auch dazu, dass wir einen ganz klaren Trennstrich ziehen zwischen Doping und erlaubter Fitness und erlaubten Trainieren. Das ist ganz wichtig: Wer dopt, fliegt! Das muss für jeden klar sein. Und da darf nicht der leiseste Zweifel herrschen.

Wir würden halt anregen, dass auch im Veranstalterland eine gewisse Sensibilität im Interesse und zum Schutz der Sportler gegeben ist. Ansonsten glaube ich, dass wir auf unser Team, geführt vom Österreichischen Olympischen Comite und von den diversen Fachverbänden und Trainern wirklich stolz sein können. Da sind Leistungen erbracht worden, an die ich mich jedenfalls so nicht erinnern kann. Es hat auch Favoriten gegeben, die gestrauchelt sind, aber in Summe ist die Leistung sensationell."

Wir haben von Anfang an immer international dafür gekämpft, dass wir saubere und transparente Spiele haben. Wir wollen eine ganz klare, transparente Liste von Medikamenten, die verboten sind, oder von meldepflichtigen Medikamenten, die man melden muss, wenn man beispielsweise ein Gesundheitsproblem hat. Es gibt genügend Sportler, die sich auch bei diesen Wetterbedingungen da draußen verkühlt haben, und die dann natürlich ein Mittel nehmen müssen. Da muss es Vertrauensärzte geben, die wissen, was ist zumutbar, auch zum Schutz der Gesundheit der Athleten, und im Interesse der Sauberkeit der Spiele.

Wir haben nie einen Zweifel gelassen, dass wir hier in Österreich, also ein Spitzenland des Sports, dass wir hier saubere Spiele haben wollen und von dieser Linie werden wir nicht abrücken."

Wallner auf Schüssels Linie
Auch ÖOC-Präsident Leo Wallner hat den Auftritt Mayer bei den Olympischen Spielen verurteilt. Am Sonntag meldete er sich erstmals zur dieser Causa zu Wort und pflichtete dem Bundeskanzler in dem ORF-TV-Interview im Österreich-Haus in Sestriere in allen Punkten bei:

"Das was der Herr Bundeskanzler gesagt hat, ist voll zu unterstützen. Ich teile die Auffassung, dass wir saubere und reine Spiele haben müssen, und dass nicht eine Person, die von uns überhaupt nicht nominiert wurde, hier einen Schatten auf andere Sportler wirft, die sich groß vorbereitet haben und einen riesigen Erfolg unserem Land gebracht haben."

Zum Umgang der Carabineri mit den Athleten: "Wir haben uns natürlich sehr darum bemüht, dass die Verhältnismäßigkeit von Aktionen entsprechend ins Auge gefasst wird. Es ist ein Fehlverhalten gewesen, das ist unbestritten, dass jemand, der nicht akkreditiert ist, und als Privatperson herkommt, im Quartier - zumindest kurzzeitig - wohnt, auf der anderen Seite sind eben die Polizeimethoden von Land zu Land unterschiedlich.

Und in Italien sind es diese Methoden, die wir sicherlich nicht unterstützen und glücklicherweise in Österreich nicht haben. Wir haben ein Rechtsstaatsdenken, hier ist es etwas anders. Man muss daher vermeiden, in einem Land, in dem das Rechtsdenken etwas anders ist, hier Aktionen zu setzen. Und das wurde leider von Herrn Mayer gesetzt.

Leider Gottes ist Mayer in Salt Lake City überführt worden, er ist verurteilt worden, was das Olympische Comite anbelangt und die Olympischen Spiele. In Österreich ist er frei gesprochen worden, dort gibt es eine andere Rechtsordnung. Hier ist die der Italiener, die ist eine sehr, sehr strenge was Doping anbelangt und die Verfolgung von Doping eine der strengsten überhaupt. Ob das sehr menschlich ist, sei dahingestellt, das haben wir nicht zu beurteilen. Wir haben nur zu beurteilen, dass wir in einem Land entsprechendes Verhalten an den Tag legen sollen, dass es nicht so weit kommt."

(apa/red)