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Thailands Hoffnung auf einen Neubeginn

Susanne Scholl über den späten Triumph der "Roten Hemden"

Analyse - Thailands Hoffnung auf einen Neubeginn © Bild: NEWS

Mehr als ein Jahr nach den blutigen Zusammenstößen zwischen Militär und „Roten Hemden“ bricht für Thailand eine neue Epoche an. Zur Erinnerung: Die „Roten Hemden“, Anhänger des von den Militärs ins Exil getriebenen Regierungschefs Thaksin, Vertreter der ärmsten Schichten, waren auf die Straße gegangen, um gegen soziale Ungerechtigkeit und die Herrschaft des Militärs zu protestieren.

Ihr Aufstand wurde brutal und blutig niedergeschlagen. Jetzt aber schlägt erneut ihre Stunde. Die Parlamentswahl am vergangenen Sonntag ergab einen klaren Wahlsieg von Thaksins Schwester, Yingluck Shinawatra. Vor sechs Wochen erst hat sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen, aber ihr Charisma und die Hoffnungen, die die Menschen in ihren Bruder gesetzt haben und noch setzen, bewirkten ihren klaren Sieg.

Als ihre erste und wichtigste Aufgabe bezeichnet sie die nationale Aussöhnung – dazu muss sie aber wohl noch eine hohe Hürde nehmen: Sie muss durchsetzen, dass ihr Bruder und seine Getreuen aus dem Exil zurückkehren dürfen. Ob das Militär das zulassen wird, ist noch unklar. Aber selbst wenn ihr dieser Schritt gelingt, bleibt ihre Aufgabe schwer. Denn obwohl die thailändische Wirtschaft gut funktioniert, ist der Großteil der Bevölkerung bitterarm – und seit dem Aufstand der „Roten Hemden“ nicht mehr bereit, dies als unumstößliche Tatsache hinzunehmen. Dazu wird die Rückkehr ihres Bruders ihre Aufgabe ebenso erschweren wie der Widerstand der Reichen und der Militärs gegen ein Regierungsprogramm, das vor allem Erleichterungen für Arme vorsieht. Dennoch: Schon die Wahl an sich war ein erster Schritt in die richtige Richtung.