Altbundespräsident Rau verstorben: BP Heinz Fischer hielt in Berlin die Trauerrede!

Würdigte Raus Geste bei den Österreich-Saktionen Kritik im Karikaturenstreit: Unsensibler Journalismus

Altbundespräsident Rau verstorben: BP Heinz Fischer hielt in Berlin die Trauerrede!

Mit einem Staatsakt haben die führenden Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft Deutschlands und anderer Länder, darunter Bundespräsident Heinz Fischer, in Berlin Abschied vom deutschen Altbundespräsidenten Johannes Rau genommen. Fischer hob in seiner Trauerrede eine Geste Raus gegenüber Österreich in der Phase der sogenannten Sanktionen besonders hervor. Raus Nachfolger Horst Köhler würdigte seinen Vorgänger als Menschenfreund und vertrauensstiftenden Politiker.

Rau habe versöhnen und zusammenführen, aber nicht hassen können, so Fischer. Dazu gehörten seine Worte und Gesten, die er als Deutscher für Israel gefunden habe. Dazu gehörte aber auch eine Geste gegenüber Österreich: "Es war für mich ein großer Freundschaftsbeweis, dass Bundespräsident Rau den österreichischen Parlamentspräsidenten auch in der Zeit der so genannten Sanktionen empfangen hat." Rau habe damit ausgedrückt, wie wichtig ihm Freundschaft und Vertrauen seien.

Fischer erinnerte an seine Freundschaft mit Rau, den er schon seit Ende der Siebziger Jahre gekannt habe. Rau sei ein Mann des Friedens gewesen, besonders unter Religionen. In seiner Ansprache kam Fischer auch auf die aktuellen Ausschreitungen im Mohammed-Karikaturenstreit zu sprechen, die sich aus einer "unsensiblen journalistischen Vorgangsweise" entwickelt hätten.

1.500 Trauergäste aus dem In- und Ausland
"Bei den Bürgern zu sein, war ihm Herzensanliegen", sagte Köhler im Berliner Dom vor den rund 1.500 Trauergästen aus dem In- und Ausland. Köhler hob besonders Raus Engagement für das Zusammenwachsen von Ost und West, die Integration ausländischer Mitbürger sowie die Aussöhnung Deutschlands mit Polen und dem jüdischen Volk hervor. Er schloss mit den Worten: "Johannes Rau hat Deutschland vorbildlich vertreten und im Inneren zusammengehalten. Sein Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wirkt fort." Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel hielt eine betont persönliche Rede. "Leb wohl, Johannes, du wirst mir stets gegenwärtig sein", beendete er seine Ansprache.

Rau war am 27. Jänner verstorben
Rau war nach schwerer Krankheit am 27. Jänner kurz nach seinem 75. Geburstag gestorben. Der Sozialdemokrat war zwischen 1999 und 2004 Bundespräsident. Die Wahl zum Staatsoberhaupt war der Höhepunkt seiner 50-jährigen politischen Laufbahn.

Dem Trauergottesdienst, der Gedenkstunde und dem abschließenden militärischen Abschiedszeremoniell wohnte die gesamte deutsche Staatsspitze bei. Raus Witwe Christina und seine drei Kinder Laura, Philip und Anna saßen eingerahmt von Köhler und seiner Frau in der ersten Reihe des Berliner Doms. In ihrer Nähe nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel Platz. Zu den weiteren Trauergästen zählten höchste Repräsentanten zahlreicher Länder und der Europäischen Union, mehrere Altbundespräsidenten sowie viele ehemalige Weggefährten Raus, darunter die Altkanzler Gerhard Schröder und Helmut Schmidt, die sich tief bewegt zeigten.

Für die Beisetzung auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte am Nachmittag hatten sich Raus Angehörige für eine Feier im engsten Familienkreis entschieden. Auf den öffentlichen Gebäuden wehten die Flaggen auf Halbmast. (apa)