Alexander Van der Bellen im NEWS-Talk:
"Habe das Image als milder Übervater satt"

Dritter Platz großes Ziel für den grünen Chef

Alexander Van der Bellen im NEWS-Talk: Warum Platz drei sein großes Ziel ist, wie er es erreichen will, und warum er sein Image als "milder Übervater" satt hat.

NEWS: Wo sehen Sie sich Ende 2006? Als der, der die Grünen so stark machte, dass sie regieren, oder am Karriere-Ende?

Van der Bellen: Priorität hat der Stockerlplatz, dass uns die WählerInnen auf Rang drei bringen. Weil es gut für Österreich ist, wenn wir statt Strache oder Haider Dritte sind. Die symbolische Kraft so einer Umreihung ist wichtiger als eine Regierungsbeteiligung.

NEWS: Also entscheidet Platz drei auch über Ihre Zukunft?

Van der Bellen: Natürlich setze ich für mich selbst bestimmte Ziele - rang-, zahlen-und prozentmäßig.

NEWS: Anders ausgedrückt ist Platz drei mehr als die Regierungsbeteiligung jener politische Lebenstraum, den Sie sich mit 62 erfüllen wollen?

Van der Bellen: Im Hinblick darauf, wer derzeit Platz drei besetzt, ja. Bei Haider, der in der Ortstafelfrage unappetitlich bleibt, und seinem kalten Aufguss Strache war ich immer auf der anderen Seite der Barrikade. Insofern ist das mein Lebenstraum.

NEWS: Wenn's nicht gelingt?

Van der Bellen (lacht): Politiker beantworten das ungern. Wir geben nie zu, dass das Verfehlen eines Ziels möglich ist.

NEWS: Es ist den Grünen zuletzt in Wien passiert ...

Van der Bellen: Wien war eine lästige Sache. Wir gewinnen Mandate, eine Stadträtin und einen Bezirksvorsteher dazu - interpretiert wird es negativ. Da ist die Erwartungssteuerung danebengegangen.

NEWS: Würde Platz drei nicht auch machtpolitisch heißen, dass Sie entweder via Schwarz-Grün oder Rot-Grün fast automatisch mitregieren?

Van der Bellen: Mathematisch könnte sich Schwarz-Blau doch ausgehen. Schüssel, Molterer, Khol und andere haben eine Neuauflage, diesmal mit Strache, nie ausgeschlossen. Allein das motiviert uns.

NEWS: Weil es Ihre Verhandlungsposition stärkt, wenn nur die Grünen für kleine Koalitionen denkbar wären?

Van der Bellen: Ja sicher. Unsere Position wäre viel besser, gäbe es weder für SP noch VP die Option Strache.

NEWS: Sie scheinen zu wissen, wo Sie hinwollen. Wie Sie hinkommen, ist wohl nicht so einfach zu beantworten, oder?

Van der Bellen: Der Wahlkampf wird für uns schwierig, weil sich alle Medienaufmerksamkeit auf das Rennen um Platz eins konzentrieren wird. Da werden wir uns besonders anstrengen müssen, Aufmerksamkeit zu erregen.

NEWS: Noch dazu, wo Ihnen etwa die SPÖ mit EU-Kritik gerade Populismus vorhüpft?

Van der Bellen: Trotzdem fahren wir die Linie Cap nicht. Die ist ja, nicht nur dem Volk aufs Maul zu schauen, was im Prinzip richtig ist, sondern dem Volk nach dem Maul zu reden. Und das ist etwas ganz anderes. Ich kann Ressentiments gegen die EU natürlich nützen und aufbauen. Aber das ist nicht im Interesse der ÖsterreicherInnen. Namentlich Josef Cap ignoriert diese Interessen völlig, im Hinblick auf Stimmen am rechten Rand.

NEWS: Was ja für die Grünen gar nicht schlecht ist. Sie haben die SP kritisiert, dass sie 2002 im grünen Teich fischte. Würde nicht auch der Nachsatz stimmen: "statt frustrierte Haider-Wähler abzuholen"?

Van der Bellen: Wenn Sie andeuten, dass mir das, was die SPÖ macht, gar nicht unrecht ist, sage ich: Es eröffnet zumindest Raum für die Grünen, den wir gerne nützen.

NEWS: Mit welchen Themen?

Van der Bellen: Mit unseren Kernthemen: Frauen, Energiewende, Armutsbekämpfung und Bildung. Ich betone aber, dass wir uns von ÖVP und SPÖ vor allem im Punkt Energiewende deutlich unterscheiden. Die wollen per Gesetz die Förderung erneuerbarer Energie um 80 Prozent kürzen. Weil sie dafür ein paar Zuckerln von der ÖVP kriegt, spielt die SPÖ unverständlicherweise mit.

NEWS: Es heißt, Ihre heftigste Gemütsregung sei, Zigaretten energisch auszudämpfen - Kollegen schrieben fälschlich gar von halb gerauchten. Sind Sie der richtige Spitzenkandidat?

Van der Bellen: Michael Häupl nannte Wahlkampf "fokussierte Unintelligenz". Auch wenn ich im Wahlkampf ein bisserl grober und zugespitzter rede, kann und will ich mein Naturell nicht ändern.

NEWS: Selbst wenn man Sie ohne Poltern nicht mehr hört?

Van der Bellen: Jeder weiß: Das liegt mir nicht. Es gibt eh schon ein Stirnrunzeln, wenn ich einmal etwas schärfer formuliere. Da sagt der Klubobmann Molterer sofort, dass das zu polemisch sei. Selbst mit Ironie habe ich leidvolle Erfahrungen. Trotzdem: Ich habe registriert, dass ich oft als zu lieb gesehen werde. Das Image als milder Übervater stört mich und ist außerdem übertrieben. Aber es wirkt auf mich auch albern, wenn der Herr Bundeskanzler himself mit einer Tafel herumsteht, auf der "Zukunft" draufsteht. Da lade ich lieber eine Traktorladung Mais mit symbolisch beigemengtem Genmais vor dem Landwirtschaftsministerium ab - das passt.

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