Akquisition mit Folgen: Personalvermittler Adecco übernimmt Konkurrenten DIS

Führungspositionen wurden gleich neu besetzt DIS-Chef Scheiff wechselt an die Konzernspitze

Der deutsche Personaldienstleister DIS soll für 636 Mio. Euro an die schweizerische Adecco verkauft werden. Adecco stiege damit zur zweitgrößten Zeitarbeitsfirma in Deutschland hinter Marktführer Randstad auf.

In einem ersten Schritt vereinbarte Adecco mit dem größten DIS-Aktionär, der Familie Paulmann, die Übernahme von deren rund 29-prozentigem Anteil zu einem Preis von 54,50 Euro je Aktie, wie die beiden Zeitarbeitsunternehmen am Montag mitteilten. Den übrigen Aktionären werde ein freiwilliges Übernahmeangebot zum gleichen Preis unterbreitet. Der zweitgrößte DIS-Anteilseigner, der schwäbische Anlagenbauer Voith, hält eine Sperrminorität von 25,6 Prozent.

Nach der Übernahme soll die jetzige Führungsspitze von DIS, Vorstandschef Dieter Scheiff und Finanzvorstand Dominik de Daniel, künftig Adecco leiten. Das Führungsteam sei sogar einer der wesentlichen Gründe für die Offerte gewesen, sagte Adecco-Chef Klaus Jacobs. Bei der mit schwachen Margen und einem schleppenden Frankreich-Geschäft kämpfenden Adecco war es im November zu einem Machtwechsel gekommen. Vorstandschef Jerome Caille trat zurück, Jacobs, damals zweitgrößter Aktionär und Co-Präsident des Verwaltungsrates, wurde Konzernchef und Chef des Verwaltungsrates. Mit 29,3 Prozent wurde die Familie Jacobs zugleich größter Anteilseigner.

DIS gehört zu den fünf größten Personaldienstleistern in Deutschland. 7.000 Beschäftigte arbeiten in 160 Niederlassungen. DIS vermittelt überwiegend Fach- und Führungskräfte in den Bereichen Finanzen, Industrie und Informationstechnologie sowie Ingenieure.

Die im Kleinwerteindex SDax gelisteten DIS-Aktien wurden von dem Übernahmeangebot beflügelt. "Betrachtet man den von Experten geschätzten Wert der DIS-Aktie von 43 bis 46 Euro ist das ein sehr attraktives Angebot", sagte DIS-Finanzvorstand de Daniel. Die Papiere notierten zeitweise acht Prozent im Plus und markierten mit 56,09 Euro ein Allzeithoch. Das Angebot ist 17 Prozent höher als der Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Die 1967 gegründete Firma war 1997 zum Emissionspreis von 51 Deutschen Mark (26,07 Euro) an die Börse gegangen. Adecco-Papiere stiegen zeitweise um mehr als vier Prozent und notierten am Nachmittag mit 67,75 Schweizer Franken noch 3,7 Prozent im Plus.

Adecco-Chef Jacobs kündigte an, Gespräche mit Voith aufnehmen zu wollen. Adecco sei bereit, das Paket jederzeit zu kaufen, würde Voith aber auch als Miteigentümer begrüßen, sagte er. Ein Voith-Sprecher sagte dazu: "Wenn ein offizielles Angebot vorliegt, werden wir es prüfen und dann entscheiden."

De Daniel sagte, im Falle der Übernahme durch Adecco bleibe DIS eigenständig: "Wir werden unsere Ziele weiter verfolgen und im deutschen Markt wachsen." DIS rechnet für das abgelaufene Jahr mit einem Umsatz von 305 Mio. Euro und einem operativen Gewinn von 36 Mio. Euro. Für 2006 plant der Vorstand ein Umsatzwachstum von 18 Prozent und einen Anstieg des Betriebsgewinns um 15 Prozent auf 41,5 Mio. Euro.

Die Akquisition will Adecco vorerst fremd finanzieren. Die Finanzierung sei durch die Großbank UBS für bis zu 18 Monate sicher gestellt, sagte Finanzvorstand Jim Fredholm. Adecco plane, in den nächsten 18 Monaten eine Anleihe aufzulegen oder mit einer ähnlichen Transaktion am Markt Geld aufzunehmen. Das Unternehmen gehe davon aus, dass das offizielle Angebot nach der Genehmigung durch die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Anfang Februar veröffentlicht und die Transaktion im März abgeschlossen wird, hieß es.
(apa/red)