Afghanistans Präsident will Versöhnung: Angebot an Taliban-Führer Mullah Omar

Karzai: "Wollen, dass alle Afghanen zurückkommen"

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die Taliban-Rebellen zur Aussöhnung mit der Regierung aufgerufen. "Wir hätten gerne, dass alle Afghanen, Taliban oder nicht Taliban, von wo immer sie auch sind, in ihr Land zurückkommen", sagte Karzai am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. "Es ist ihre Heimat, und sie sind willkommen." Als größte Bedrohung für Afghanistan bezeichnete der Präsident Drogen und das dahinter stehende organisierte Verbrechen.

Auf die Frage, ob sein Versöhnungsangebot auch für Taliban-Führer Mullah Omar gelte, sagte Karzai: "Wenn er kommen will, sollte er mit uns in Kontakt treten." Er erwarte aber nicht, dass der flüchtige Taliban-Führer aus seinem Versteck komme, erklärte Karzai im Präsidentenpalast in Kabul. Sollte er sich stellen, müsse er sich für seine Taten verantworten.

Omar ist seit der US-Invasion von Ende 2001 im Untergrund. Die USA begründeten den Angriff damit, dass er dem mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden Unterschlupf gewährt habe. Seitdem kämpfen Reste der Taliban gegen Karzais Regierung. Dabei kamen im vergangenen Jahr etwa 1.600 Menschen ums Leben.

Karzai sagte, eine größere Bedrohung als der Terrorismus sei die Drogenmafia: "Afghanistan muss das Rauschgift bekämpfen, punkt, oder wir werden als Nationalstaat nicht überleben." Mafia-Organisationen aus Russland und Europa hätten sich auch in den Nachbarländern festgesetzt. Sie drohten Bauern mit dem Tod, wenn sie nicht Drogen für sie anbauen.

Vier Jahre nach dem Sturz der fundamentalistischen Taliban durch eine US-Invasion droht Afghanistan ein so genannter "Narco-Staat" zu werden. In dem Land wird genug Opium angebaut, um daraus 450 Tonnen Heroin zu machen.

(apa)