Absprung ins Schwarze

Grasser ist nun das Trumpfass Schüssels Riess-Passer: FPÖ darf sich nicht wundern

Absprung ins Schwarze

Nach dem Bruch: Warum Grasser mit Haider brach. Wie er Finanzminister bleiben kann. Wie ihn seine ehemaligen Parteifreunde jetzt attackieren.

Er sei zunächst aus allen Wolken gefallen, berichtet Karl-Heinz Grasser. Regelrecht „fassungslos“ sei er vergangenen Dienstag vor seinem Fernsehapparat gesessen, als Elmar Oberhauser Kanzler Schüssel befragte, ob er Grasser demnächst als seinen Minister präsentieren werde. Am Tag darauf habe ihn der VP-Obmann schließlich wirklich selbst angerufen und erklärt: „Weißt du was, ich komm da dauernd wie die Unschuld zum Kinde. Mich fragen Sie dauernd, ob ich dich als meinen Finanzminister präsentieren werde, und dich fragen sie, ob du es machen würdest. Also, warum ziehen wir es dann nicht wirklich durch?“

„Ja, ich trete an.“
Am Freitag habe Schüssel dann das Angebot konkretisiert, und am Montag sei für den eigentlich blauen Finanzminister schließlich alles klar gewesen: „Ja, ich trete als parteiunabhängiger Finanzminister für dich an.“ Dann habe er FP-Chef Herbert Haupt angerufen und mit ihm vereinbart, nicht aus der FPÖ auszutreten, sondern bloß seine Mitgliedschaft ruhend zu stellen. So lautet zumindest die offizielle Version von Karl-Heinz Grasser.

Politische Insider bezweifeln freilich den geschilderten Zeitablauf. Immerhin berichtete NEWS bereits in der Vorwoche – also vor dem vermeintlich ersten Telefonat Schüssels mit Grasser – unter dem Titel „Springt Grasser ab?“ über Schüssels Coup, den beliebten Finanzminister in sein Boot zu holen. Wie auch immer.

Schüssels Coup
Dienstag dieser Woche – nur eineinhalb Wochen vor der Nationalratswahl – ist die politische Bombe geplatzt, und in seltener Einhelligkeit gratulieren professionelle Politikbeobachter Schüssel zu seinem Coup. Verschafft Grasser nun der ÖVP die nötigen Stimmen für den angestrebten Platz eins? Noch nicht, meint zumindest Gallup-Chef Fritz Karmasin.

Nur ein Wahlkampfgag?
In der aktuellen NEWS-Gallup-Umfrage gewinnt die ÖVP denn derzeit auch nichts hinzu, sondern liefert sich mit 39 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPÖ. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass nur 29 Prozent der Befragten Schüssels Angebot für glaubwürdig halten. Und nicht zu Unrecht rätselt halb Österreich, unter welcher Regierungskonstellation Grasser überhaupt Finanzminister werden solle.

Alle gegen Grasser
Die Reaktion seines ehemaligen politischen Ziehvaters Jörg Haider, der ihn des „Verrats“ bezichtigt, spricht nicht gerade dafür, dass die FPÖ Grasser in einer schwarz-blauen Regierung als Finanzminister akzeptieren würde. Auch wenn Grasser im NEWS-Interview erklärt, der formale FPÖ-Chef Herbert Haupt habe ihm versichert, er sei „kein Hindernis für eine allfällige Neuauflage der Wenderegierung“.

SP-Chef Alfred Gusenbauer schloss in einer ersten Reaktion ebenfalls Grasser als möglichen Finanzminister einer rot-schwarzen Koalition aus, um dann allerdings die Tür wieder zu öffnen und alles offen zu lassen. Ein Grasser-Vertrauter erklärt jedenfalls im NEWS-Gespräch: „Der Karl-Heinz ist davon überzeugt, dass er wieder Finanzminister wird. Sonst hätte er das Angebot nicht angenommen.“

In der Tat fragen sich nicht nur ehemalige blaue Parteifreunde des 33-Jährigen, warum er den Sprung zurück in die Politik tatsächlich wagt. „Waren seine Angebote aus der Privatwirtschaft etwa doch nicht so gut, wie er immer behauptet hat?“, ätzt etwa ein Kärntner Freiheitlicher. Grasser selbst behauptet jedenfalls, „mindestens zehn sehr gute Angebote aus dem In- und Ausland“ gehabt zu haben.

Autorin: Isabelle Daniel

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