Abschieds-SMS nach Mord an vier Töchtern:
"Verzeih mir, ich mache mit allem Schluss"

Motiv für Kindertötung war "extreme Existenzangst"<br>Niederösterreicher begeht auf Flucht vor Polizei Suizid <b>BILDER</b> von der unfassbaren Bluttat in Mauerbach

Ein niederösterreichischer Familienvater (50) hat in Mauerbach bei Wien vier seiner fünf Töchter umgebracht und seine Frau (45) krankenhausreif geprügelt. Die älteste Tochter (21) entdeckte in der Nacht auf Dienstag die im Ehebett aufgebahrten Leichname ihrer vier Schwestern. Vor seinem Selbstmord schickte der flüchtige Mörder noch ein Abschieds-SMS an seine letzte lebende Tochter: "Es tut mir sehr Leid. Bitte verzeih mir. Du wirst zwar nicht verstehen, was ich getan habe, aber ich mache mit allem Schluss", schrieb er der 21-Jährigen.

Die junge Frau verstand die Botschaft zunächst nicht richtig und dachte, dass ihr Bater damit die Scheidung ankündigen wollte. Kurz vor Mitternacht kam sie heim - und machte die schrecklich Entdeckung.

Motiv wohl "extreme Existenzangst"
Das Zwillingspärchen Desiree und Mariella hätte am Sonntag seinen siebenten Geburtstag begangen, Michaela wäre Anfang März elf Jahre alt geworden, das Pflegekind Melanie im August zehn. Das Motiv der Tat dürfte laut Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes NÖ, "extreme Existenzangst" gewesen sein.

Die Kinder dürften schon nicht mehr am Leben gewesen sein, als ihre Mutter am Montagnachmittag von der Arbeit nach Hause kam, sagte Polzer der APA. Die Mädchen seien von der Fürsorge abgeholt worden, machte der 50-jährige Frühpensionist seiner Frau weis.

Ehefrau mit Holzlatte & Heiligenstatue attackiert
Er attackierte die Horthelferin und schlug ihr mit einer Holzlatte auf den Kopf. Ihr Mann habe die 45-Jährige "womöglich schon mit dem ersten Hieb töten wollen", sagte Polzer. "Die Frau ist um Haaresbreite davongekommen." Nach offenbar stundenlangem Streit eskalierte am späten Abend die Auseinandersetzung noch mehr. Der 50-Jährige fügte seiner Frau mit einer Heiligenstatue schwere Kopfverletzungen zu. Sie flüchtete blutüberströmt in ein Nachbarhaus.

Die Polizisten, die gegen 22.00 Uhr zu dem Einfamilienhaus in der Berggasse 46 fuhren, gingen noch davon aus, dass ihr Einsatz eine gewalttätige Auseinandersetzung unter Eheleuten betraf. "Kurz nach 22.00 Uhr standen die Beamten vor einer gänzlich neuen Situation - ein Vierfachmord statt eines Familienstreits", so Polzer: Die älteste Tochter war heimgekommen, ins Haus gegangen und hatte ihre toten Geschwister gefunden.

Mann rammte sich Messer ins Herz
Die Polizei fahndete in Niederösterreich und in Wien nach dem 50-Jährigen. Gegen 1.30 Uhr geriet er mit seinem Opel Vectra auf der Sofienalpenstraße in Wien-Penzing in eine Straßensperre. Die Beamten versuchten den talwärts fahrenden Wagen mit Warnschüssen zu stoppen, der 50-Jährige verringerte aber nur kurz die Geschwindigkeit und fuhr dann mit vollem Tempo auf die Polizisten los. Der Opel kam erst zum Stillstand, nachdem er den quer gestellten Einsatzwagen gerammt hatte. Der Frühpensionist starb nach einem Herzstich, den er sich im Wagen sitzend selbst zugefügt hatte, an inneren Blutungen. Eine der Kugeln hatte ihn zudem im linken Oberarm getroffen.

2 Kinder erdrosselt, 2 Kehle durchgeschnitten
Die Obduktion der Opfer am späten Dienstagnachmittag ergab, was schon zuvor vermutet worden war: Zwei seiner Töchter tötete der Mann, indem er ihnen die Kehlen durchschnitt. Die beiden anderen wurden erdrosselt, so Polzer. "Das Erdrosselungswerkzeug kennen wir noch nicht, es dürfte sich aber um die Strümpfe und Kleidungsstücke, die wir am Boden gefunden haben, gehandelt haben."

Haus wird zwangsversteigert
Das Haus, das zum Schauplatz des vierfachen Mordes wurde und das der Mutter der Ehefrau des Tatverdächtigen gehört, sollte laut Informationen der Polizei versteigert werden. Laut Polzer gab es bereits einen Räumungsbefehl. Mit dieser Situation sei der Familienvater offensichtlich nicht fertig geworden.

Die Jugendwohlfahrtsbehörde hatte der Familie aber bereits eine Ersatzwohnung zur Verfügung gestellt - die Übersiedlung hätte noch in dieser Woche erfolgen sollen, sagte der Bezirkshauptmann von Wien-Umgebung, Wolfgang Straub. Eine Diplomsozialarbeiterin hatte mit der Mutter der Kinder bereits einen Besuchstermin für Freitag vereinbart. Trotz der chaotischen, tristen Wohnsituation sei die Beziehungsebene in der Familie intakt und die Tragödie für niemanden vorhersehbar gewesen, betonte Straub. Die Kinder seien immer adrett und gut erzogen gewesen. Es habe zuvor auch keinen einzigen Polizeieinsatz wegen Tätlichkeiten gegeben. Eines der getöten Mädchen war ein Pflegekind, weshalb die Jugendbehörde regelmäßig involviert war.

Kriminalisten & Bürgermeister fassungslos
Kriminalist Polzer sprach von einer der "schaurigsten Taten", die er in seinen vergangenen 25 Dienstjahren miterleben musste. Er könne sich "an nichts in dieser Dimension" erinnern. Auch Bürgermeister Gottfried Jelinek stand den Ereignissen fassungslos gegenüber: "Der Mann hat im Ort Zeitungen ausgetragen und war ein eher unauffälliger Typ."

Spendenkonto eingerichtet
Um den Hinterbliebenen nach der Bluttat in Mauerbach, der 21-jährigen Tochter sowie deren 45-jähriger Mutter, schnell und unbürokratisch zu helfen, hat das Rote Kreuz Purkersdorf ein Spendenkonto eingerichtet. Unter der Konto-Nummer 233.064 bei der Raiffeisenbank Wienerwald (Bankleitzahl 32667) gibt es ab sofort die Möglichkeit, die Hinterbliebenen finanziell zu unterstützen.

(apa/red)