Abgasnormen von

EU hat Neuwagen im Visier

Weniger strenge Normen für große Autos - Entwurf begünstigt deutsche Autobauer

Abgasnormen - EU hat Neuwagen im Visier © Bild: APA/DPA/Gentsch

Die Automobilbranche steht wieder einmal vor einem Umbruch: Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, begünstigen die neuen Pkw-Abgasnormen die deutschen Hersteller schwerer Autos. Ein neuer Entwurf sieht für den Ausstoß des Klimagases Kohlenstoffdioxid eine generelle Obergrenze von 95 Gramm pro Kilometer ab 2020 vor. Bisher gilt ein Maximum von 130 Gramm, das stufenweise bis 2015 eingeführt wird. Die Bauer großer Autos sollen Kritikern zufolge aber mehrfach begünstigt werden.

Entscheidend für die Industrie ist der Schlüssel, nach dem das Gesamtziel auf die einzelnen Unternehmen heruntergebrochen wird. Bisher gilt, dass die Hersteller schwerer Wagen ein höheres Limit als 130 Gramm zugestanden bekommen. Dafür müssen die kleineren und leichteren Wagen sparsamer sein. Dieses Prinzip wird im Entwurf fortgeschrieben und begünstigt Hersteller wie Daimler und BMW.

Davon abgesehen dürfen dem Papier zufolge die Großen vergleichsweise noch mehr ausstoßen als in einem früheren Entwurf. "Der neue Vorschlag geht auf die deutschen Hersteller zu", urteilte die Verkehrsexpertin von Greenpeace in Brüssel, Franziska Achterberg. Der Vorschlag bleibe dennoch "nachvollziehbar", sagte Achterberg. Er liegt nämlich unter den Wünschen der deutschen Autolobby.

Aufweichung der Grenzwerte befürchtet
Greenpeace befürchtet jedoch eine massive Aufweichung jeglicher Grenzwerte durch eine Klausel zu Elektroautos, die noch diskutiert werde. Danach könnten sich die Hersteller den Null-Ausstoß der E-Autos anrechnen lassen, selbst wenn sie diese gar nicht verkaufen.

Derzeit wird der Vorschlag kommissionsintern verhandelt, federführend ist Klimakommissarin Connie Hedegaard. Der deutsche Energiekommissar Günther Oettinger hat sich EU-Kreisen zufolge bisher für den Klimaschutz bei Autos "nicht besonders bemerkbar" gemacht.

Falscher Ansatz
Der CDU-Europaparlamentarier Karl-Heinz Florenz hält schon den Ansatz für falsch, nach dem Gewicht der Autos den Herstellern verschiedene Grenzwerte zuzugestehen, "weil dadurch nicht genügend Anreize für Leichtbau entstehen". Zudem führen schwerere Fahrzeuge nachweislich mehr. Statt auf höhere Grenzwerte zu dringen, sollten gerade deutsche Autobauer eher auf ihre Innovationskraft setzen, erklärte Florenz, der im Umweltausschuss des Parlamentes vertreten ist.