9/11-Terrorprozess beginnt sehr turbulent: Moussaoui behauptet "Ich bin Al-Kaida"!

Angeklagter nach Zwischenruf aus dem Saal geführt

Turbulent hat in den USA der Prozess gegen den bisher einzigen Terroristen begonnen, der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 angeklagt worden ist. Der französische Staatsbürger Zacarias Moussaoui (37), der nach eigenen Angaben ein Flugzeug ins Weiße Haus steuern wollte, wurde aus dem Gerichtssaal geführt, nachdem er entgegen Anweisungen der Richterin das Wort ergriffen und erklärt hatte: "Ich bin Al-Kaida."

Der Zwischenfall ereignete sich zum Auftakt der Geschworenen- Auswahl in Alexandria bei Washington. Während Richterin Leonie Brinkema die einberufenen Jury-Kandidaten über die anstehende Prozedur informierte, fiel ihr Moussaoui ins Wort und forderte, gehört zu werden. "Diese Leute vertreten mich nicht", sagte der gebürtige Marokkaner. "Ich bin Al-Kaida." Als er von Beamten aus dem Saal geführt wurde, fügte der Angeklagte hinzu: "Dieser Prozess ist ein Zirkus."

Moussaoui war im August 2001 in den USA festgenommen worden, nachdem er Flugunterricht in Oklahoma genommen und dann in einem Boeing-747-Simulator trainiert hatte. Im Zuge des gerichtlichen Vorverfahrens bekannte er sich im vergangenen Jahr freiwillig in sechs Anklagepunkten - Verschwörung zum Begehen von Terrorakten - schuldig. Er gab an, dass er von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beauftragt worden sei, in einer zeitlich von den Anschlägen vom 11. September getrennten Operation ein Flugzeug in das Weiße Haus zu steuern. Eine Verwicklung in die Anschläge selbst bestreitet Moussaoui entschieden.

Am 11. September 2001 hatten 19 Terroristen vier Flugzeuge entführt und sie in die beiden Türme des New Yorker World Trade Center sowie in das Pentagon gesteuert. Die vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem Passagiere versucht hatten, die Entführer zu überwältigen. Fast 3000 Menschen kamen ums Leben.

Weil sich der oft als "20. Flugzeugentführer" bezeichnete Moussaoui der Terror-Verschwörung schuldig bekannt hat, kommt es zu einem verkürzten Verfahren. Die zwölf Geschworenen müssen nicht zunächst darüber entscheiden, ob er die ihm in der Anklage zur Last gelegten Taten begangen hat. Es geht lediglich um die Festsetzung des Strafmaßes: Tod oder lebenslange Haft. Wegen der komplizierten Auswahl der Geschworenen - zusätzlich zu der Hauptgruppe der zwölf auch sechs Ersatzjuroren - sind die Eröffnungsplädoyers erst für den 6. März angesetzt. Das Verfahren zur Festsetzung des Strafmaßes selbst wird nach Schätzungen ein bis drei Monate dauern.

Die Anklage will auf Todesstrafe plädieren und nach eigenen Angaben unter anderem argumentieren, dass der vor dem 11. September festgenommene Moussaoui die Anschläge durch seine Aussage hätte verhindern können. Die Verteidigung ihrerseits will geltend machen, dass der Angeklagte weniger von den Terrorplänen gewusst habe als die US-Regierung selbst, die vor den Anschlägen verschiedene Hinweise nicht erkannt habe.

Etwa 1100 Angehörige der Opfer vom 11. September wollen das Verfahren via Satellitenübertragung live verfolgen. In Gerichtsgebäuden in fünf Städten - so neben New York auch Boston und Philadelphia - wurden dazu Bildschirme aufgestellt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem scharf, und die Idenitität der aus einer Gruppe von 500 Kandidaten auszuwählenden Geschworenen wird zu ihrem eigenen Schutz geheim gehalten. Nur ganz wenige ausgewählte Medienvertreter sind im Gerichtssaal zugelassen. (apa)