15 Monate Haft für Falschaussage: Lüge brachte sechs Männer für Wochen in U-Haft

32-Jährige "erfand" zahlreiche Vergewaltigung

Im Wiener Straflandesgericht ist eine Frau verurteilt worden, die ihren Ex-Mann und fünf weitere Männer mit der falschen Behauptung, sie wäre serienweise von diesen vergewaltigt worden, für mehrere Wochen ins Gefängnis gebracht hatte. Der geschiedene Mann der beschäftigungslosen 31-Jährigen saß sogar zweieinhalb Monate zu Unrecht in U-Haft. Richterin Sonja Höpler-Salat verhängte über die geständige Beschuldigte 15 Monate Haft, die ihr unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen wurden.

Darüber hinaus wurde der 31-Jährigen die Weisung erteilt, sich einer mindestens dreijährigen psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, um ihre von der Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith fest gestellte Persönlichkeitsstörung in den Griff zu bekommen. Der Schuldspruch wegen Verleumdung, Falschaussage, Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und Urkundenfälschung - die Frau hatte unter anderem behauptet, sie wäre bei den Misshandlungen geschwängert worden und zum angeblichen Beweis dafür einen gefälschten Mutter-Kind-Pass vorgelegt - ist nicht rechtskräftig. Staatsanwältin Michaela Schnell gab vorerst keine Erklärung ab.

"Es tut mir Leid, ich fühle mich schuldig"
Von einem furchtbaren Martyrium hatten die Medien berichtet, nachdem die 31-jährige Wienerin im Herbst 2004 gegen ihren Ex-Mann Anzeige erstattet hatte. Sie behauptete, von ihm nach der Scheidung im vorangegangenen Februar mehrfach missbraucht worden zu sein. Der Mann, ein 31 Jahre alter Kosovo-Albaner, wurde am 6. Oktober in U-Haft genommen.

Die Frau zeigte darauf hin auch seinen Bruder, seinen Onkel und drei Freunde an. Diesmal gab sie an, sie wäre von diesen verschleppt und brutal vergewaltigt worden, wobei man sie mit einem Butterflymesser, einer Rohrzange und einem Bolzenschneider malträtiert hatte. Über die fünf Männer wurde zwischen dem 7. und 10. Dezember die U-Haft verhängt.

Verdächtige vor Weihnachten enthaftet
Knapp vor Weihnachten wurden sämtliche Verdächtige enthaftet, die anhängigen Verfahren eingestellt. "Die Behauptungen der Frau waren widerlegt", so die zuständige Staatsanwältin nun im Verfahren gegen die 31-Jährige. Ein DNA-Gutachten hatte die Männer entlastet, und weitere Erhebungen erschütterten die Glaubwürdigkeit der Anzeigerin nachhaltig.

So konnte mittels Rufdaten-Rückerfassung nachgewiesen werden, dass sie immer wieder selbst telefonischen Kontakt zu den angeblichen Tätern gesucht hatte, was nicht zu ihrer Darstellung passte, sie wäre von diesen "abgepasst" worden. Einer der zu Unrecht Bezichtigten lieferte ein hieb- und stichfestes Alibi: Zum Zeitpunkt eines angeblichen Übergriffs war der Bauarbeiter in Wahrheit auf einer Baustelle.

Abtreibungslüge überführte Frau
Schließlich erwies sich auch die Behauptung der Frau als Lüge, sie wäre im Zuge der Vergewaltigungen mehrmals geschwängert worden und hätte in einem bestimmten Spital abgetrieben. In besagtem Krankenhaus war sie niemals behandelt worden.

Nun lehnte die ungepflegt wirkende, schmuddelig angezogene Frau mit nachlässig karottenrot gefärbten Haaren lässig in der Anklagebank und erklärte lapidar: "Es tut mir Leid, ich fühle mich schuldig. Mehr möchte ich nicht mehr sagen." Auf die Frage nach einem Motiv für ihre Anzeigen schüttelte sie nur stöhnend den Kopf und japste nach Luft.

Das Ganze habe sehr wohl einen realen Hintergrund, seine Mandantin sei nicht "verleumdend durch die Lande gezogen", betonte Verteidiger Josef Bischof: "Man kann nicht sagen, weil sie in dem einen oder anderen Punkt nicht die Wahrheit gesagt hat, ist das ein Fantasiegebilde." Auskünfte darüber, was damit konkret gemeint war, blieb der Anwalt allerdings schuldig.

Frau wegen Kindheitserlebnissen sexuell traumatisiert
Fest steht, dass die Frau sexuell traumatisiert ist, was von Erlebnissen in der Kindheit und frühen Jugend herrührt. Das hielt die Psychiaterin Sigrun Rossmanith in ihrem Gutachten fest. Wann, wo und vor allem durch wen der 31-Jährigen diese seelischen Beschädigungen zugefügt worden sind, konnte Rossmanith nicht heraus finden. Sie bescheinigte der Beschuldigten eine schwere Selbstwertstörung, selbst beschädigende Tendenzen und einen "gewissen Geltungsdrang". "Um den eigenen Selbstwert zu retten, setzt sie Aktionen", so die Sachverständige.

Darauf hin machte sich die Angeklagte bemerkbar und gab für Sekunden ihre zurück haltende Rolle auf. "Kaner hier drinnen is' drei Stunden am Klo g'sess'n und hat das Licht abdraht, weil er si g'furcht'n hat", rief sie. Mehr war allerdings nicht aus ihr heraus zu bekommen.
(apa)